
In Thüringen greift ab Samstag ein Verbot, das viele Gartenbesitzer trifft: Wer Wasser aus Bach oder Fluss pumpt, riskiert bis zu 50.000 Euro. Der Landkreis Schmalkalden-Meiningen ist längst kein Einzelfall, denn von Bayern bis Niedersachsen haben über 80 Kreise, Städte und Versorger die Entnahme eingeschränkt. Die Messwerte aus dem Untergrund zeigen, warum.
Über 80 Kreise ziehen die Notbremse
Der Landkreis Schmalkalden-Meiningen untersagt ab dem 15. August das Abpumpen und Ableiten von Wasser aus Bächen, Flüssen und Quellen, zunächst bis längstens 31. Oktober und mit Bußgeldern bis 50.000 Euro. Marburg-Biedenkopf verfügte sein Verbot bereits am 5. August, die Grafschaft Bentheim stoppte zum 7. August auch die Feldberegnung aus Oberflächengewässern, selbst dort, wo eine wasserrechtliche Erlaubnis vorliegt. Nach einer Zusammenstellung von t-online haben bundesweit über 80 Landkreise, Städte und Wasserversorger Entnahmeverbote oder andere Beschränkungen erlassen. Das Schöpfen mit Gießkanne und Eimer bleibt meist erlaubt, die Pumpe nicht.
Grundwasser auf Rekordtiefs
Der Grund liegt im Untergrund. Im Niedrigwasser-Informationssystem NIWIS der Bundesanstalt für Gewässerkunde standen 156 von 288 Grundwasserpegeln auf niedrig, sehr niedrig oder extrem niedrig. Bayerns Lagebericht vom 7. August meldet 84 Prozent der oberflächennahen Messstellen und Quellen im niedrigen bis sehr niedrigen Bereich, jede zehnte davon auf einem neuen Rekordtief, dazu ein Niederschlagsdefizit des laufenden Abflussjahres von rund 34 Prozent. Mehr als 100 bayerische Flusspegel liegen unter ihrem niedrigsten Abfluss seit 1971. In Brandenburg nähern sich fast alle Grundwasserleiter historischen Tiefständen.
Gewitter bringen kaum Entlastung
Am Donnerstag und Freitag hält das Hoch die Hitze mit bis zu 38 Grad im Westen und Südwesten, ab Samstag ziehen laut DWD kräftige Gewitter mit Hagel und Starkregen auf, am Sonntag vor allem von der Mitte bis in den Südosten. An der Wasserbilanz ändert das wenig, weil kurze Schauer auf verkrusteten Böden oberflächlich abfließen, statt zu versickern. Helfen würde nach Einschätzung von Fachleuten erst ein ganzer Monatsniederschlag als mehrtägiger Landregen. Die Trinkwasserversorgung gilt weiter als gesichert, ökologisch wird es dagegen eng: Sinkende Pegel bedeuten wärmeres und sauerstoffärmeres Wasser.