
Der Hochsommer hat die Badegewässer aufgeheizt – und Cyanobakterien lieben genau das. Vor Warnemünde treibt ein Algenteppich an den Strand, in Hamburg, Hessen und im Landkreis München sind Badestellen komplett gesperrt. Was hinter der Blüte steckt, wie gefährlich sie wirklich ist und woran Badegäste sie schon vom Ufer aus erkennen.
Von Warnemünde bis ins Münchner Umland
An der Ostsee warnt das Rostocker Gesundheitsamt seit dem 9. August vor einem Algenteppich zwischen den Strandabschnitten 30 und 36 westlich von Warnemünde und rät von Baden und Hautkontakt ab, ohne ein förmliches Verbot auszusprechen. Auf der polnischen Seite gelten an vier Stränden auf der Halbinsel Hel und in der Danziger Bucht bereits Badeverbote. Im Binnenland ist die Liste lang: Hamburg-Mitte sperrte nach einer Probe vom 4. August die Nord- und Südseite des Öjendorfer Sees, in Mölln gilt am Schulsee ein Verbot bis zum 14. August. In Hessen sind unter anderem der Buga-See in Kassel, der Aartalsee und der Schultheis-Weiher in Offenbach betroffen.
Warum Hitze und Niedrigwasser die Blüte füttern
Blaualgen sind streng genommen keine Algen, sondern Cyanobakterien – in normaler Konzentration völlig unauffällig. Zur Massenvermehrung kommt es, wenn drei Dinge zusammentreffen: lang anhaltende Wärme, viel Sonne und kaum Wind, dazu ein Überschuss an Nährstoffen aus Landwirtschaft und Abwasser. Genau diese Kombination liefert der Sommer 2026. Das Gesundheitsamt im Landkreis München nennt für das Badeverbot am Deininger Weiher ausdrücklich hohe Temperaturen, niedrige Wasserstände und eine verlangsamte Fließgeschwindigkeit. Weniger Wasser heißt zugleich höhere Nährstoffkonzentration – der See kippt schneller.
Der Fußtest am Ufer und der Blick aufs Wochenende
Eine einfache Faustregel hilft weiter: Wer knietief im Wasser steht und die eigenen Füße nicht mehr sieht, sollte nicht baden. Verdächtig sind blaugrüne Schlieren, Schaumränder und trübes Wasser. Die Toxine können Hautreizungen, Bindehautentzündungen, Übelkeit und Durchfall auslösen, in schweren Fällen Atemnot; besonders gefährdet sind kleine Kinder und Hunde, bei denen akute Leberschäden beschrieben sind. Entspannung könnte das Wetter bringen: Nach dem Hitzegipfel am Freitag mit bis zu 38 Grad im Westen ziehen ab Samstag Gewitter auf. Wind und Regen durchmischen das Wasser und zerreißen die Teppiche – die Nährstoffe im See bleiben allerdings.