
Der Himmel über Deutschland wirkte in dieser Woche milchig-trüb: Aus der Sahara ist Wüstenstaub bis nach Mitteleuropa geweht worden. Am Freitag zieht die Staubwolke nach Osten weiter – ausgerechnet dorthin, wo kräftige Gewitter unterwegs sind. Trifft beides zusammen, fällt der Staub als Blutregen und hinterlässt einen rostbraunen Film auf Autos, Fenstern und Terrassen.
Gewitter holen den Staub herunter
Am Freitag verlagert sich der Wüstenstaub von Süddeutschland ostwärts – und trifft dort auf die Kaltfront eines Tiefs. In der Südosthälfte erwarten wir kräftige bis schwere Gewitter mit Starkregen, größerem Hagel und schweren Sturmböen, der Deutsche Wetterdienst hat dafür amtliche Unwetterwarnungen herausgegeben. Dazu ein starker Temperaturgegensatz: mit Föhnunterstützung bis zu 34 Grad am Alpenrand, westlich des Rheins dagegen nur um 20 Grad. Wo der Regen fällt, nimmt er die Staubpartikel mit nach unten. Am Samstag strömt kühlere Atlantikluft ein, der Staub ist dann größtenteils weg.
Ein Gast, der eigentlich im Frühjahr kommt
Rund 500 Millionen Tonnen Staub wirbelt der Wind in der Sahara jedes Jahr auf. Ein kleiner Teil davon gelangt mit südlicher Höhenströmung nach Norden, meist in Schichten bis etwa 5.000 Meter Höhe, und braucht zwei Tage bis eine Woche bis zu den Alpen. Zehn- bis dreißigmal pro Jahr macht sich das über Mitteleuropa bemerkbar, der Schwerpunkt liegt im Frühjahr von März bis Juni sowie im Spätherbst – ein Staubschub Ende August ist damit die Ausnahme. Sichtbar wird er als milchiger Schleier, gedämpftes Sonnenlicht und tiefrote Sonnenuntergänge.
Feinstaub in der Luft, Ertragsverlust auf dem Dach
Harmlos ist der Staub nicht: Er hebt die Feinstaubwerte an, der Tagesgrenzwert für PM10 liegt laut Umweltbundesamt bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter. Menschen mit Atemwegserkrankungen spüren solche Episoden deutlich. Auch Solaranlagen liefern weniger, bei stärkeren Staublagen sind drei bis acht Prozent Ertragsverlust dokumentiert – der Deutsche Wetterdienst gibt deshalb inzwischen Mineralstaubprognosen heraus. Und der Trend zeigt nach oben: Eine Auswertung des Paul Scherrer Instituts von zehn Jahren Messdaten an über 100 europäischen Stationen ergab eine Zunahme der Staubbelastung um zehn bis 25 Prozent.