
In den deutschen Weinbergen wird schon gelesen – und das ist für Mitte August alles andere als selbstverständlich. Der heiße, extrem trockene Sommer hat die Trauben so schnell reifen lassen, dass die ersten Bottiche rund eine Woche früher voll werden als üblich. Die Winzer zahlen dafür allerdings einen Preis: Die Beeren sind klein geblieben.
Reif vor der Zeit
Das Deutsche Weininstitut meldete am 12. August, dass die Traubenernte für den Jahrgang 2026 rund eine Woche früher begonnen hat als im Schnitt der vergangenen fünf Jahre. In der Pfalz und in Baden wurden die ersten Trauben der frühreifen Sorte Solaris für Federweißer geschnitten. Nur 2018 und 2020 ging es noch etwas eher los. Laut DWI-Sprecher Ernst Büscher waren die ersten Trauben außergewöhnlich süß – ein sonniger und sehr warmer Sommer hat die Reife deutlich beschleunigt.
Kleine Beeren, weniger Menge
Der Preis für die schnelle Reife hängt an den Rebstöcken: Weil über Wochen der Regen fehlte, sind die Beeren kleiner und weniger saftig als in normalen Jahren. Das macht die Moste konzentriert und aromatisch, dürfte aber die Erntemengen drücken. Besonders junge Rebanlagen litten unter Trockenstress, teils wurden Trauben herausgeschnitten oder Reben bewässert. Ältere Anlagen kommen besser durch, sofern sie nicht auf leichten, wasserarmen Böden stehen. Dazu kam örtlich Hagel, der in der Pfalz, in Baden und in Württemberg einzelne Lagen erheblich beschädigte.
Europa liest früher – und jetzt kommt der Regen
Deutschland ist kein Einzelfall: In Europa begann die Lese rund zwei Wochen früher als üblich, in Teilen Südfrankreichs und Spaniens so früh wie noch nie dokumentiert – im Fitou am 15. Juli, auf Lanzarote bereits Anfang Juli, in der Champagne der Chardonnay am 6. August. Nun entscheidet die Witterung über den Jahrgang. Der DWD erwartet bis Anfang der kommenden Woche wiederholt kräftige Gewitter, südlich der Donau am Freitag und Samstag 25 bis 50 Liter pro Quadratmeter in sechs bis zwölf Stunden. Sanfter Landregen wäre willkommen, heftige Güsse mitten in der Lese können Beeren platzen lassen und Fäulnis begünstigen.