
Rund um den 10. September erreicht die atlantische Hurrikansaison normalerweise ihren Höhepunkt. Doch bis heute hat der Atlantik keinen einzigen Hurrikan hervorgebracht, nur vier schwache Tropenstürme. Dahinter steckt ein El Niño, der auf Rekordkurs liegt – und der auch bei uns im Winter mitreden könnte.
Vier Tropenstürme, kein einziger Hurrikan
Arthur im Juni, Bertha im Juli, Cristobal Mitte August und Dolly, der schon am 28. August wieder zur offenen Welle zerfiel – mehr hat der Atlantik bislang nicht zustande gebracht. Kein Hurrikan, kein schwerer Hurrikan. Nach der akkumulierten Zyklonenergie, dem gängigen Maß für die Gesamtaktivität, ist es der schwächste Saisonstart seit 1988. Die NOAA hat ihre Prognose am 6. August gesenkt: 7 bis 13 benannte Stürme, 2 bis 6 Hurrikane und eine Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent für eine unterdurchschnittliche Saison. Im nördlichen Golf könnte bis Dienstag der fünfte Tropensturm die Küste von Texas oder Louisiana erreichen.
Windscherung köpft die jungen Wirbel
Die Ursache liegt tausende Kilometer entfernt im Pazifik. Bei El Niño erwärmt sich das Wasser vor Südamerika, die großen Gewitterzonen verlagern sich, und über dem Atlantik nimmt die Windscherung zu – der Unterschied von Windrichtung und Windgeschwindigkeit zwischen unteren und oberen Luftschichten. Sie zerreißt junge Wirbel, bevor sie rund laufen. Die Klimavorhersagestelle der NOAA nennt in ihrem Bericht vom 13. August über 90 Prozent Wahrscheinlichkeit für ein sehr starkes Ereignis im Herbst und Winter, mit 69 Prozent fällt es von Oktober bis Dezember stärker aus als alle El-Niño-Ereignisse seit 1950. Am Wasser liegt es nicht, es ist warm genug.
Und bei uns? Erst der Nord-Süd-Riss
Auf unser Wetter hat El Niño kurzfristig kaum Einfluss. Die neue Woche teilt Deutschland: Im Norden ziehen Regen und starke bis stürmische Böen durch, im Süden bleibt es meist trocken, am Freitag sind am Oberrhein um 30 Grad möglich. Spannend wird der Winter. Der Deutsche Wetterdienst verweist darauf, dass starke El-Niño-Ereignisse die Wahrscheinlichkeit für Störungen des Polarwirbels und für eine negative Nordatlantische Oszillation erhöhen, der Frühwinter in Mitteleuropa aber oft mild und nass ausfällt. Sein Fazit: „Damit lässt sich aus einem starken El Niño allein kein kalter Winter in Europa ableiten!“