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El Niño und Polarwirbel: Deutschlands Winter eher mild und nass

23. September 2026·12:05 Uhr
2 Min. Lesezeit
WettertrendWetterwissen
El Niño und Polarwirbel: Deutschlands Winter eher mild und nass

Im Pazifik wächst ein El Niño heran, der alle Ereignisse seit 1950 übertreffen könnte. Gleichzeitig baut sich über der Arktis der Polarwirbel kräftiger auf als üblich. Beides zusammen stellt die Weichen für den Winter in Mitteleuropa – und die ersten belastbaren Signale sprechen nicht für den Eiswinter, den manche Schlagzeile schon ausruft.

Ein El Niño mit Rekordpotenzial

Die US-Wetterbehörde NOAA hat am 10. September ihr El-Niño-Advisory bekräftigt: Die Wahrscheinlichkeit für ein sehr starkes Ereignis im Herbst und Winter liegt bei über 90 Prozent, für den Zeitraum Oktober bis Dezember beziffert das Climate Prediction Center die Chance auf einen historischen Spitzenwert über plus 2,5 Grad im Relativen Oceanic Niño Index auf 75 Prozent. Mitte September lag der Niño-3.4-Index nach IRI-Auswertung bereits bei plus 3,0 Grad, in 50 bis 150 Metern Tiefe ist das Wasser stellenweise bis zu 8 Grad zu warm. Zum Vergleich: Bei den bisherigen Spitzenereignissen 1997/98 und 2015/16 erreichte der RONI laut DWD rund plus 2,4 Grad.

Polarwirbel stärker als im Mittel

Entscheidender für unser Winterwetter ist aber der Polarwirbel in rund 30 Kilometern Höhe. Er ist Ende August auf Westwind umgeschwenkt und hat sich seither zügig verstärkt: Mitte September wurden 10,4 Meter pro Sekunde gemessen, klimatologisch üblich wären 8,1. Zusätzlich stützt ihn die derzeit westliche Phase der quasi-zweijährigen Schwingung, die Wellenenergie vom Pol weglenkt. Ein kräftiger Wirbel hält die Kaltluft am Pol zusammen und begünstigt eine zonale Westlage. Die Saisonmodelle von ECMWF und Met Office deuten für Januar und Februar 2027 eine Abschwächung an – das ist allerdings noch keine Vorhersage einer plötzlichen Stratosphärenerwärmung.

Was das für Deutschland bedeutet

Für den Frühwinter überwiegt damit die milde, nasse und windige Variante mit lebhafter Westströmung. Kurze Kälteeinbrüche bleiben jederzeit möglich, denn einzelne Wochen können von Blockadehochs bestimmt werden, wie wir sie gerade erleben. Der DWD hat den Zusammenhang bereits im August klargestellt: Die Folgen eines starken El Niño sind in Europa deutlich schwächer und indirekter als anderswo, ein kalter Winter lässt sich daraus allein nicht ableiten. Der Winter nach dem Rekord-El-Niño 2015/16 kam mit 3,6 Grad im Flächenmittel unter die vier wärmsten seit 1881. Eine seriöse Aussage zu Schnee an Weihnachten ist Ende September schlicht nicht möglich.

Johannes Graf
Über den Autor

Johannes Graf

B. Sc. Meteorologie

Schon seit meiner Kindheit empfinde ich eine große Leidenschaft für meteorologische Phänomene. Das Wetter draußen zu beobachten sowie die ständigen Schwankungen des Thermometers faszinieren mich nach wie vor. Diese Verbundenheit mit der Meteorologie motivierte mich dazu, ein Meteorologiestudium am Karlsruher Institut für Technologie zu absolvieren. Seit April 2022 lebe ich meine Leidenschaft beruflich aus und bin Mitglied des Teams bei wetter.net.

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