
Vor einer Woche hat Champi als Super-Taifun Taiwan lahmgelegt, jetzt nehmen seine Überreste Kurs auf Alaska. Am Donnerstag und Freitag trifft ein kräftiges Sturmtief auf die Westküste. Dort kommt das Meer kleinen Dörfern ohnehin schon gefährlich nahe. Erinnerungen an den Oktober 2025 werden wach, als ein anderer Ex-Taifun ganze Siedlungen verwüstete.
Bis zu 1,8 Meter über dem Hochwasser
Nach Angaben des US-Wetterdienstes NWS zieht das Tief am Mittwoch in die Beringsee und vereinigt sich dort mit einem zweiten Tief. Erwartet wird ein Kerndruck von etwa 960 bis 970 Hektopascal. Südlich von 56 Grad Nord sind bis zu 29 Fuß hohe Wellen möglich, das sind fast neun Meter. Für Hooper Bay im Yukon-Kuskokwim-Delta gilt von Donnerstagmorgen bis Freitagnacht eine Hochwasser-Vorwarnung. Das Wasser könnte 1,2 bis 1,8 Meter über das normale Hochwasser steigen, auch die Zufahrt zum Flughafen könnte überflutet werden. Noch ist die Zugbahn unsicher: Zieht das Tief nahe an Nunivak Island vorbei, weht der Wind weiter nördlich eher ablandig. Mit Küstenerosion rechnet der NWS aber in jedem Fall.
Region ist schon angeschlagen
Das Sturmtief trifft auf eine Küste, die gerade erst einen Sturm hinter sich hat. Am 23. Oktober stürzte in Kivalina ein Baukran auf Stromleitungen. Rund 175 Menschen übernachteten in der Schule, und weil Teile des Dorfs ohne Strom waren, fiel auch die Wasseraufbereitung aus. Die Straße von Nome nach Council ist wegen einer Auswaschung gesperrt. Dazu kommen hohe Brandung von Kivalina bis zum Yukon-Delta, ein Atmosphärischer Fluss mit 25 bis über 50 Litern Regen pro Quadratmeter bis Nome und Böen bis rund 105 km/h in der Alaska Range. In der westlichen Brooks Range sind bis zu 45 Zentimeter Schnee möglich. In Fairbanks lagen bereits am Montag rund 13 Zentimeter.
Erinnerung an Halong
Dass solche Stürme in Alaska tödlich sein können, hat sich vor einem Jahr gezeigt. Im Oktober 2025 trafen die Überreste von Taifun Halong die Dörfer Kipnuk und Kwigillingok. Häuser wurden fortgespült, eine Frau starb, mehr als 1.500 Menschen in der Region verloren ihr Zuhause. Champi dürfte nach heutigem Stand schwächer ausfallen, der NWS hält eine Ausweitung oder Hochstufung der Warnungen aber für möglich. In Deutschland bleibt es dagegen ruhig: Unter Hochdruck bilden sich in der Mitte und im Süden dichte Nebelfelder, in klaren Nächten gibt es örtlich leichten Frost bis minus 1 Grad.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.



