
Kaum eine Woche nach dem historischen Hochwasser in New Mexico trifft die nächste Flutwelle den Südwesten der USA. Pazifische Tiefs bringen Arizona, Colorado und New Mexico erneut Starkregen. In Sedona wurden Menschen per Hubschrauber aus ihren Häusern geholt, und in der Kleinstadt Pagosa Springs in Colorado könnte der San Juan River den Rekord von 1911 übertreffen.
Sedona: Oak Creek tritt über die Ufer
Am Sonntagmorgen stieg der Oak Creek in Sedona so schnell, dass die Stadt für die Evakuierungszonen 8, 9 und 10 die höchste Stufe „Go“ ausrief. Bis zum Vormittag waren nach Angaben des Nationalen Wetterdienstes NWS schon 38 bis 57 Liter pro Quadratmeter gefallen. Laut Yavapai County mussten Bewohner von fast 20 Häusern mit Hilfe der Einsatzkräfte in Sicherheit gebracht werden. In manchen Häusern stand das Wasser knapp zehn Zentimeter hoch. Verletzte oder Tote meldete der Landkreis bis Sonntagabend nicht. „Ich habe noch nie gesehen, dass Menschen per Hubschrauber aus Wohnvierteln gerettet werden“, sagte die Anwohnerin Michelle Grimm der Nachrichtenagentur AP. In Camp Verde stieg der Verde River über die Marke für großes Hochwasser. Gisela im Gila County wurde vollständig geräumt. In Flagstaff suchten Einsatzkräfte nach einem Mann, der in die Fluten gerutscht war.
Pagosa Springs bangt um seine einzige Brücke
Besonders kritisch war die Lage in Pagosa Springs, einem Kurort mit gut 2.000 Einwohnern. Das Archuleta County Sheriff's Office sprach von einem „potenziell katastrophalen Hochwasser“. Für den San Juan River wurde in der Nacht zum Montag Ortszeit ein Scheitel von über 20 Fuß (6,1 m) erwartet, eine Vorhersage nannte sogar 21,9 Fuß. Beim Hochwasser von 1911, das den damaligen Ort fast vollständig zerstörte, lag der Höchststand bei etwa 17,8 Fuß (5,4 m). Bei Sonnenuntergang stand der Fluss bei rund 14 Fuß. Die Zufahrtsstraßen sind gesperrt, Abwasser gelangte in den Fluss. In Durango wurde wegen des rasch steigenden Animas River evakuiert. Auch in Farmington (New Mexico) erwartete der NWS ein großes Hochwasser nahe dem Rekordniveau.
Monatsregen in zwei Tagen, danach trockener
„Wir bekommen in wenigen Tagen den Regen von zwei bis drei Monaten“, sagte NWS-Meteorologe Aaron Hardin in Tucson. Die Böden waren nach der Flut der Vorwoche noch gesättigt, deshalb floss das Wasser sofort ab. Der außergewöhnlich nasse Herbst passt zum starken El Niño, der den Süden der USA im Winterhalbjahr tendenziell feuchter macht. Ab Dienstag wird es im Südwesten ruhiger und trockener, die Flüsse brauchen aber Tage, um zu sinken. In Deutschland bleibt es dagegen ruhig: Nach einer frostigen Nacht mit Nebel stellt sich eine Ostlage mit Hochnebel, 4 bis 11 Grad und leichtem Nachtfrost ein. Unwetter sind bei uns vorerst nicht in Sicht.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.



