
Die Heizsaison hat begonnen, doch Deutschlands Gasspeicher sind deutlich leerer als vor einem Jahr. Noch hilft das Wetter: Der Oktober zeigt sich tagsüber sehr mild, viele Heizungen bleiben aus. Ab Samstag ändert sich das. Eine Front bringt kühlere Luft, danach folgen Hochnebel und frostige Nächte. Mit jedem kalten Tag wird das Wetter zur entscheidenden Größe für die Gasbilanz.
Speicher deutlich leerer als im Vorjahr
Nach dem Lagebericht der Bundesnetzagentur vom 12. Oktober sind die deutschen Gasspeicher zu 59,8 Prozent gefüllt, das entspricht 146,6 Terawattstunden. Vor einem Jahr lag der Füllstand um diese Zeit bei rund 76 Prozent. Die Behörde stuft die Versorgung dennoch als stabil ein und hält eine angespannte Lage derzeit für wenig wahrscheinlich. Die Importe über Pipelines und LNG-Terminals laufen stetig. Die Vorgabe, die meisten Speicher bis zum 1. November zu 80 Prozent zu füllen, muss nach Einschätzung der Netzagentur für die Versorgungssicherheit nicht zwingend erreicht werden. Berichten zufolge soll der bundeseigene Versorger SEFE bis Mitte Dezember zusätzlich 8 Terawattstunden einspeichern.
Warum jedes Grad zählt
Ein großer Teil des Erdgases fließt in Deutschland in die Wärmeversorgung. Geheizt wird in der Regel erst dann, wenn die Tagesmitteltemperatur unter etwa 15 Grad sinkt. Genau diese Schwelle hat das Wetter bisher kaum unterschritten. Der September war nach der Bilanz des Deutschen Wetterdienstes mit 15,9 Grad im Flächenmittel einer der zehn wärmsten seit 1881, und auch die erste Oktoberhälfte verläuft überwiegend mild. Das verschafft Zeit. Die Bundesnetzagentur rechnet trotzdem mit einem vergleichsweise niedrigen Füllstand am Ende des Winters. Ob daraus ein Problem wird, hängt vor allem davon ab, wie oft und wie lange im Hochwinter Frostperioden auftreten.
Unsere Vorhersage: Ab Samstag spürbar kühler
In der Nacht zum Dienstag gibt es im Osten, in der Mitte und im Süden leichten Frost bis minus 3 Grad, dazu dichten Nebel. Am Dienstag streift ein schwacher Tiefausläufer den Westen, an der Nordsee weht ein böiger Südwind. Bis Freitag bleibt es nach Nebelauflösung oft freundlich und sehr mild bei 15 bis 22 Grad, am wärmsten am Oberrhein. Am Samstag bringt eine Front zeitweise Regen, die Höchstwerte fallen auf 9 bis 15 Grad. Danach hält sich im Norden häufig Hochnebel, der Süden wird freundlicher bei 11 bis 17 Grad. In klaren Nächten ist dann wieder Frost möglich. Ein durchgreifender Kälteeinbruch ist bis zum 22. Oktober nicht in Sicht, der Heizbedarf steigt aber spürbar.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.



