
Der Regen dieser Woche fällt auf Böden, die seit Monaten austrocknen – und in Speicher, die er kaum erreicht. Mehr als 110 Kommunen von Köln bis Dresden haben inzwischen Wasserentnahmeverbote verhängt, in einzelnen Dörfern rollen schon Tankwagen. Warum kräftige Sommergewitter dem Grundwasser fast nichts bringen.
Verbote von Köln bis Dresden
Nach einer Übersicht von t-online vom 14. August gelten inzwischen in mehr als 110 Kommunen Einschränkungen. Köln untersagt seit dem 18. Juni bis Ende Oktober die Entnahme aus Bächen, Flüssen und Teichen, Dresden und mehrere sächsische Kreise ziehen bis zum 31. Oktober mit, an Ruhr, Lenne und Sieg läuft das Verbot bis Ende November. Die Bußgelder reichen je nach Bundesland von 10.000 bis 100.000 Euro. CORRECTIV zählte die meisten Verbote und Sparappelle in Baden-Württemberg, Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen.
Extreme Dürre bis 1,80 Meter Tiefe
Wie tief das Defizit reicht, zeigt der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums UFZ: Im Gesamtboden bis 1,80 Meter Tiefe stecken Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz in extremer Dürre, wie sie statistisch nur etwa alle 30 Jahre auftritt, Teile Hessens und Sachsens in schwerer Dürre. Der Norden kommt deutlich besser weg. Bei den Grundwasserpegeln lagen Ende Juli 156 von 288 ausgewerteten Messstellen niedrig bis extrem niedrig. In Bollschweil im Breisgau wird ein Krisenplan vorbereitet, das bayerische Böbrach erhält Wasser per Tankwagen – ein Sattelzug fasst rund 30.000 Liter.
Warum der Regen kaum ankommt
Der DWD kündigt in seiner Wochenvorhersage der Wettergefahren vom Dienstagmittag wechselhaftes Wetter mit gewittrigem Starkregen an: am Freitag im Südosten 25 bis 50 Liter pro Quadratmeter, örtlich bis 80, am Wochenende in der Südhälfte 30 bis 50 Liter binnen zwölf Stunden. Für die Speicher bringt das weniger, als die Summen vermuten lassen. Fällt der Regen als Guss, läuft ein Teil oberflächlich ab, den Rest zehren Verdunstung und Pflanzen. Nachgefüllt wird das Grundwasser vor allem im Winterhalbjahr – träge Grundwasserleiter brauchen dafür Monate.