
Im Süden und Osten Deutschlands wird das Wasser knapp: Reihenweise verlängern Landratsämter ihre Verbote, Wasser aus Bächen, Flüssen und Seen zu entnehmen - teils bis zum 15. Oktober. Die Grundwasserstände liegen so tief wie seit Jahren nicht. Und der Regen der kommenden Tage fällt vor allem dort, wo er am wenigsten fehlt.
Verbote bis Mitte Oktober
In Oberschwaben und am Hochrhein bleibt der Gartenschlauch am Bach tabu: Die Landkreise Konstanz, Ravensburg, Biberach und der Bodenseekreis haben ihre Entnahmeverbote für Oberflächengewässer bis zum 15. Oktober verlängert. Das Landratsamt Konstanz begründet das damit, dass viele Bäche und Flüsse derzeit sehr wenig Wasser führen und teils schon trockengefallen sind. Erlaubt bleiben nur Viehtränken und das Schöpfen mit der Hand, Verstöße können mit bis zu 10.000 Euro geahndet werden. Der Kreis Lörrach hat sein Verbot Ende Juli sogar verschärft und auf bereits genehmigte Entnahmen ausgeweitet. Bundesweit haben nach Medienrecherchen mehr als 80 Landkreise, Städte und Wasserversorger Verbote oder Auflagen erlassen.
Grundwasser: Der Winter hat zu wenig geliefert
Der eigentliche Engpass liegt tiefer. Das bayerische Landesamt für Umwelt meldet in seinem Niedrigwasser-Lagebericht 81 Prozent der oberflächennahen Messstellen und Quellen im niedrigen oder sehr niedrigen Bereich - 2024 waren es nur 6 Prozent. In Sachsen lagen zum 31. August rund 88 Prozent von 553 ausgewerteten Messstellen unter dem Monatsnormalwert, im Mittel 58 Zentimeter, ein Jahr zuvor waren es 81 Prozent und 37 Zentimeter. Das hessische Landesamt HLNUG zählte im Juli 51 Prozent der Messstellen im niedrigen bis sehr niedrigen Bereich und verweist auf das Winterhalbjahr 2025/26 mit nur 259 Millimetern Niederschlag, etwa 28 Prozent unter dem Mittel.
Unsere Vorhersage: Regen für die falsche Landeshälfte
Bis Samstag ziehen kräftige Regenfronten über Deutschland, der Schwerpunkt liegt aber klar in der Nordhälfte mit 20 bis 40 Litern pro Quadratmeter, dazu stürmische Böen an den Küsten und in den Bergen. Der trockene Süden bleibt bis Sonntag sommerlich warm bei 25 bis 29 Grad und sieht höchstens einzelne Schauer am Alpenrand. Ab Mitte kommender Woche wird es dann auch dort wechselhafter und deutlich kühler, mit 15 bis 24 Grad am Tag und einstelligen Werten in den Nächten. Für die oberste Bodenschicht ist das eine Erleichterung, für die Grundwasserspeicher nicht: Sie füllen sich erst im Winterhalbjahr, wenn die Pflanzen ruhen und der Landregen versickert statt zu verdunsten.