Eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung des Thünen-Instituts zeigt, dass sich der Bewässerungsbedarf der Landwirtschaft in Hessen unter dem Einfluss des Klimawandels deutlich und strukturell verändern wird. Bereits heute sind steigende Temperaturen, verlängerte Trockenphasen und eine zunehmende Verdunstungsintensität messbare Faktoren, die die landwirtschaftliche Produktion direkt beeinflussen.
Die Studie macht deutlich, dass sich die durchschnittliche Jahrestemperatur in Hessen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen bereits um rund 1,7 Grad Celsius erhöht hat. Klimaprojektionen deuten darüber hinaus auf einen weiteren Anstieg von bis zu 3 bis 5 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts hin.
Veränderte Niederschlagsmuster und Wasserverfügbarkeit
Gleichzeitig verschieben sich die Niederschlagsmuster zunehmend: Während die jährlichen Gesamtniederschläge langfristig relativ stabil bleiben können, verlagern sie sich verstärkt in die Winter- und Herbstmonate. Für die Vegetationsperiode im Frühjahr und Sommer bedeutet dies jedoch eine sinkende Wasserverfügbarkeit. Diese Entwicklung führt dazu, dass landwirtschaftliche Kulturen in kritischen Wachstumsphasen häufiger unter Trockenstress geraten.
Besonders in den Jahren 2018 bis 2020 wurden bereits signifikante Ertrags- und Qualitätseinbußen dokumentiert.
Bewässerung als zentrale Anpassungsstrategie
Die Studie unterstreicht, dass Bewässerung unter diesen Bedingungen zu einer zentralen Anpassungsstrategie wird, um Produktionssicherheit und Ertragsstabilität zu gewährleisten. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass der zunehmende Bewässerungsbedarf nicht isoliert betrachtet werden kann. In vielen Regionen bestehen bereits heute Nutzungskonflikte um knappe Wasserressourcen, insbesondere zwischen Landwirtschaft, Trinkwasserversorgung und ökologischen Anforderungen. Sinkende Grundwasserstände verschärfen diese Situation zusätzlich. Regionale
Unterschiede und Modellanalysen
Modellbasierte Analysen des Thünen-Instituts zeigen zudem, dass der zukünftige Bewässerungsbedarf regional stark variieren wird. Während einige Gebiete nur moderate Veränderungen erfahren, können andere Regionen deutlich stärker betroffen sein. Entscheidend sind dabei lokale Bodenverhältnisse, Anbaukulturen sowie die jeweilige klimatische Exposition.
Anpassungsstrategien und Handlungsoptionen
Als Reaktion auf diese Entwicklungen empfiehlt die Studie eine Kombination aus technischen, organisatorischen und wasserwirtschaftlichen Maßnahmen. Dazu zählen insbesondere effizientere Bewässerungssysteme wie Tropfbewässerung, die Nutzung alternativer Wasserquellen wie Regen- oder aufbereitetem Wasser sowie eine optimierte Steuerung des Wasserbedarfs auf Betriebsebene. Ergänzend werden kooperative Strukturen wie regionale Wasserverbände als wichtiger Baustein einer nachhaltigen Ressourcenbewirtschaftung genannt.
Wasser wird zum limitierenden Faktor
Insgesamt verdeutlicht die Studie, dass Wasser in der Landwirtschaft zunehmend zu einem limitierenden Faktor wird. Die Ergebnisse liefern eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für politische Entscheidungen, betriebliche Anpassungsstrategien und eine langfristig nachhaltige Wasserbewirtschaftung in Hessen.
Quelle: Thünen-Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen (2025): Ermittlung des Bewässerungsbedarfs und dessen Sicherstellung für die Landwirtschaft in Hessen (BEW-HE), Endbericht, im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt (HMLU), Braunschweig. https://www.lea-hessen.de/media/endbericht_bew_he_2025_thueneninstitut.pdf