
Während Deutschland eine unbeständige Augustwoche mit Schauern und Gewittern erlebt, baut sich am anderen Ende der Welt ein Ereignis auf, das das Wetter des kommenden Jahres prägen dürfte. Im Pazifik verstärkt sich ein El Niño, der nach Einschätzung der US-Klimabehörde NOAA alle vergleichbaren Ereignisse seit 1950 übertreffen könnte. Für den deutschen Winter bleiben die Signale trotzdem widersprüchlich.
Pazifik auf Kurs zu einem Rekordereignis
Die NOAA hat ihre Diagnose am 13. August verschärft: El Niño verstärkt sich, die Wahrscheinlichkeit für ein sehr starkes Ereignis im Herbst und Winter 2026/27 liegt bei über 90 Prozent. Im Juli lag das Oberflächenwasser in der Schlüsselregion Niño-3.4 bereits 1,4 Grad über dem Mittel, direkt vor der südamerikanischen Küste sogar 2,9 Grad. Für die Monate Oktober bis Dezember gibt die Behörde eine Wahrscheinlichkeit von 69 Prozent für eine Abweichung von 2,5 Grad oder mehr an. Das wäre stärker als jeder El Niño seit Beginn der Auswertungen im Jahr 1950, also stärker als 1997/98 und 2015/16.
Für Deutschland bleibt das Signal schwach
Mitteleuropa liegt weit vom Pazifik entfernt und spürt El Niño nur abgeschwächt. Fachleute rechnen für Deutschland mit rund 0,1 bis 0,2 Grad zusätzlicher Erwärmung, einen wissenschaftlichen Konsens über die Folgen für Europa gibt es nicht. Größere Muster wie die Nordatlantische Oszillation überlagern den Effekt. Tim Hempel vom Deutschen Wetterdienst hält bei einem ausgeprägten El Niño Fernwirkungen im Spätwinter 2027 für möglich: arktische Kälteeinbrüche, ausgelöst durch atmosphärische Wellen, die Mitteleuropa mit Verzögerung erreichen. Die Langfristmodelle zeigen bislang das Gegenteil, nämlich einen deutlich zu milden Winter.
Weltweit sind die Folgen deutlicher
Global ist der Fingerabdruck klarer. Im Atlantik erhöht El Niño die Windscherung und bremst Hurrikane: Die NOAA hat die Wahrscheinlichkeit für eine unternormale Saison in ihrem August-Update von 55 auf 75 Prozent angehoben und erwartet nur noch 7 bis 13 benannte Stürme. Australien und Indonesien droht dagegen Dürre, Peru und Ecuador drohen sintflutartige Regenfälle. Weil ein starker El Niño zusätzlich Wärme in die Atmosphäre abgibt, halten Klimaforscher es für möglich, dass 2027 global zum Rekordjahr wird. Für Deutschland heißt das vor allem: Der nächste Winter ist noch nicht entschieden.