
Der Hitzesommer 2026 frisst das Eis der Alpen. Die Schweizer Gletscher steuern auf die zweitstärkste Schmelze seit Beginn der Messungen zu, 20 bis 30 kleine Gletscher dürften bis Ende September ganz verschwinden – einer ist schon Geschichte. Und die Abkühlung dieser Woche kommt für das Eis zu spät: In den Hochlagen fällt Regen statt Schnee.
Zweitstärkste Schmelze seit Messbeginn
Matthias Huss, Leiter des Schweizer Gletschermessnetzes GLAMOS, zog am 13. August eine ernüchternde Zwischenbilanz: „Wir sind auf dem Weg zur zweitstärksten Gletscherschmelze, die wir je gemessen haben." Das Rekordjahr 2022 mit über sechs Prozent Verlust des gesamten Schweizer Eisvolumens wird demnach voraussichtlich nicht erreicht. Rund 20 bis 30 kleine Gletscher könnten aber ihr restliches Eis vollständig verlieren. Der Bella-Tola-Gletscher im Wallis oberhalb von St. Luc gilt bereits als weggeschmolzen – im Inventar von 2023 war er noch etwa sieben Fußballfelder groß. Die endgültige Bilanz steht erst Ende September fest.
Der fehlende Winter als Ursache
Entscheidend war nicht allein die Hitze, sondern der Schnee, der im Winter ausblieb. Anfang Mai lag landesweit rund ein Viertel weniger Schnee als üblich, in manchen Gebieten fehlten 50 bis 75 Prozent – und die helle Schneedecke ist der Sonnenschutz der Gletscher. Fehlt sie, heizt sich das dunkle Eis auf und schmilzt umso schneller. Der Gletscherschwundtag, an dem die Winterreserven aufgebraucht sind, fiel 2026 auf den 29. Juni. Nur 2022 war er mit dem 26. Juni noch früher, normalerweise wird dieser Punkt erst im August erreicht. Der Rhonegletscher verliert nach Angaben von Wetterexperten seit Mitte Juni täglich fünf bis zehn Zentimeter Eis.
Bayerns Eis schwindet, Abkühlung hilft kaum
Auch Deutschlands vier verbliebene Gletscher schrumpfen rasant. Drohnenmessungen von Wilfried Hagg (Hochschule München) und Christoph Mayer (Bayerische Akademie der Wissenschaften) zeigen zwischen 2023 und 2025 einen Flächenverlust von mehr als einem Viertel, beim Blaueis- und Watzmanngletscher je rund 45 Prozent. Der Nördliche Schneeferner an der Zugspitze büßte fast fünf Meter Dicke ein. Fachleute erwarten, dass Deutschland in den 2030er-Jahren gletscherfrei ist. Die kühlere Woche mit 17 bis 23 Grad bringt dem Eis wenig: Die Nullgradgrenze liegt am Dienstag in den Nordalpen bei 2900 bis 4300 Metern, es regnet also auf die Gletscher – und Regen beschleunigt die Schmelze eher, als sie zu bremsen.