
Japan erlebt gerade zwei Extreme gleichzeitig. Östlich von Tokio versank die Präfektur Chiba unter Rekordregen, während im Westen des Landes das Trinkwasser rationiert wird: Die Präfektur Kagawa erhält seit Mittwoch nur noch die Hälfte ihrer üblichen Zuteilung. Dazwischen drückt eine Hitzewelle, die die Aufräumarbeiten zusätzlich erschwert.
Rekordregen östlich von Tokio
Am 13. und 14. August fielen in Teilen der Präfektur Chiba über 360 Liter pro Quadratmeter binnen 24 Stunden. Die japanische Wetterbehörde JMA gab für mehr als ein Dutzend Gemeinden ihre höchste Unwetterwarnstufe heraus. Mindestens vier Menschen kamen ums Leben, rund 80 Häuser wurden überflutet, mehr als 22.000 Haushalte verloren den Strom, über 230.000 Menschen sollten Schutz suchen. Am Bahnhof Soga holten Soldaten 4.000 gestrandete Reisende heraus. Gouverneur Toshihito Kumagai sagte, er habe viele Katastrophen erlebt, aber nie einen Fall wie diesen.
Im Westen wird das Wasser knapp
Rund 600 Kilometer weiter südwestlich zeigt sich das genaue Gegenteil. An der Talsperre Sameura in der Präfektur Kochi wurden die Entnahmebeschränkungen am 19. August verschärft: Kagawa bekommt seither etwa 50 Prozent weniger Wasser, Tokushima rund 18 Prozent weniger. Am Sakaigawa-Damm liegt der Füllstand bei 32,1 Prozent, am Miboro-Damm in Gifu steht der Wasserspiegel nur noch etwa vier Meter über dem kritischen Minimum. Ursache ist ein schneearmer Winter, auf den ein außergewöhnlich trockener Sommer folgte.
Hitze, Taifun und ein Blick nach Europa
Dazu kehrte die Hitze zurück: In Kumamoto wurden am 19. August 38,7 Grad gemessen, in Yatsushiro 37,6 Grad – ausgerechnet dort, wo ein Erdbeben der Stärke 7,1 die Versorgung ohnehin getroffen hat. Nach Daten der JMA brachte bereits der Juli die längste Serie von Tagen mit 40 Grad und mehr seit Beginn der Aufzeichnungen. Südlich von Japan hat sich unterdessen Taifun Nr. 18 gebildet, die Zugbahn ist noch offen. Für leere Speicher wäre Taifunregen ein Segen, doch fällt er meist zu heftig und läuft oberflächlich ab – ein Muster, das auch der deutsche Dürresommer zeigt.