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Kraniche in Brandenburg: Dürre und Vogelgrippe leeren Linum

10. Oktober 2026·12:03 Uhr
2 Min. Lesezeit
KlimawandelWetterlage
Kraniche in Brandenburg: Dürre und Vogelgrippe leeren Linum

Normalerweise gehören Ende September Zehntausende trompetende Kraniche zum Rhin-Havelluch bei Linum. In diesem Herbst bleibt der größte Binnenrastplatz Deutschlands auffällig leer. Der NABU zählte am 6. Oktober nur 12.220 Vögel, im Vorjahr waren es zu dieser Zeit fünfmal so viele. Neben den Folgen der Vogelgrippe spielt dabei auch der Dürresommer eine Rolle.

Ein Bruchteil der gewohnten Zahlen

Bei der Synchronzählung am 23. September meldete der NABU in Linum nur 3.200 Kraniche, so wenige wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr zu dieser Zeit. Bis zum 29. September stieg die Zahl auf 11.220, am 6. Oktober auf 12.220. Zum Vergleich: Ende September 2025 waren es mehr als 62.000 Kraniche, 2024 rund 73.000. Andere Rastplätze stehen besser da. An den Ostseebodden zwischen Vorpommern, Darß und Rügen wurden am 3. Oktober 23.727 Vögel gezählt, in der Diepholzer Moorniederung in Niedersachsen Anfang Oktober 10.099.

Ohne Wasser fehlt der sichere Schlafplatz

Der NABU nennt mehrere Gründe für den Rückgang. Im Vorjahr starben entlang der westeuropäischen Zugroute schätzungsweise rund 40.000 Kraniche an der Vogelgrippe, Linum war stark betroffen. Hinweise auf einen neuen Ausbruch gibt es bislang nicht. Dazu kommt die Trockenheit. An ausgetrockneten Brutplätzen gelangen Füchse leichter an die Nester, der Bruterfolg fiel entsprechend schwach aus. Auch beim Rasten fehlt Wasser, denn Kraniche schlafen am liebsten stehend im flachen Wasser, wo sie vor Räubern sicher sind. Solche Plätze sind um Linum derzeit knapp. Die Initiative Natur Konkret vermutet zusätzlich, dass schnell umgebrochene Stoppelfelder weniger Nahrung bieten, und hat eine Petition für ein Schutzprogramm gestartet. Wissenschaftlich geklärt ist diese Ursache nicht.

Ruhiges Herbstwetter für die Weiterreise

Am Wochenende weht noch ein lebhafter, an der Küste stürmischer Südwest- bis Westwind. Im Norden gibt es dazu Schauer und Gewitter, das bremst den Zug. Ab Montag setzt sich ruhiges Hochdruckwetter durch, und der Wind schwächt sich ab. Nach Nebelauflösung wird es oft freundlich bei 14 bis 21 Grad, die Nächte kühlen auf 11 bis 2 Grad ab. Im Süden und Osten ist zu Wochenbeginn örtlich Bodenfrost möglich. Für Kraniche, die tagsüber ziehen, sind das brauchbare Bedingungen. Morgendlicher Nebel kann den Aufbruch aber verzögern. Am Lac du Der in Frankreich sind bislang erst rund 100 Vögel eingetroffen, die große Zugwelle nach Südwesten steht also noch bevor. Viele Rastvögel aus Polen, dem Baltikum und Finnland dürften erst noch in Deutschland ankommen.

Johannes Graf
Über den Autor

Johannes Graf

B. Sc. Meteorologie

Schon seit meiner Kindheit empfinde ich eine große Leidenschaft für meteorologische Phänomene. Das Wetter draußen zu beobachten sowie die ständigen Schwankungen des Thermometers faszinieren mich nach wie vor. Diese Verbundenheit mit der Meteorologie motivierte mich dazu, ein Meteorologiestudium am Karlsruher Institut für Technologie zu absolvieren. Seit April 2022 lebe ich meine Leidenschaft beruflich aus und bin Mitglied des Teams bei wetter.net.

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