
Der Bodensee zieht sich immer weiter zurück. Am Montagmorgen zeigte der Pegel Konstanz nur noch 270 Zentimeter – gut 110 Zentimeter unter dem Mittelwert für dieses Datum, Tendenz weiter fallend. Stege ragen ins Leere, Häfen fallen trocken, Kursschiffe fahren nach Sonderfahrplan. Und der natürliche Tiefpunkt des Sees kommt erst im Spätwinter.
270 Zentimeter – und die Kurve zeigt weiter nach unten
Am Pegel Konstanz standen am Montagmorgen 270 Zentimeter, am Untersee bei Radolfzell 225 Zentimeter. Die LUBW hatte schon am 13. August mit 275 Zentimetern den niedrigsten je für diesen Kalendertag gemessenen Wert seit Messbeginn 1850 gemeldet – der alte Tagesrekord aus dem Dürrejahr 2003 lag bei 300 Zentimetern. Der Grund steckt in der Wasserbilanz: Über die zwölf Hauptzuflüsse kommen derzeit nur rund 70 Kubikmeter pro Sekunde an, über den Seerhein fließen etwa 130 Kubikmeter pro Sekunde ab. Dazu kamen ein schneearmer Alpenwinter und ein Sommer, der viel Wasser verdunsten ließ. Das absolute Minimum der Messreihe stammt von Ende Februar 1858 mit 226 Zentimetern.
Trockene Häfen, Schiffe im Niedrigwasser-Fahrplan
Am Untersee und Hochrhein fährt die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein bis zum Saisonende nach Niedrigwasser-Fahrplan, die Strecke zwischen Diessenhofen und Stein am Rhein ist unterbrochen. Auf dem Alten Rhein zwischen Rorschach und Rheineck lief in dieser Saison gar kein Kurs, Boote mit mehr als rund 1,40 Meter Tiefgang kommen dort nicht mehr durch. Entwarnung gibt es beim Trinkwasser: Die Bodensee-Wasserversorgung entnimmt in etwa 60 Metern Tiefe, die 17 Versorger rund um den See ziehen im Mittel rund 5,5 Kubikmeter pro Sekunde – etwa ein Prozent dessen, was dem See zufließt.
Ab Mittwoch Regen, aber keine Trendwende
Ab Mittwoch stellt sich die Wetterlage um. Wir erwarten nur noch 17 bis 22 Grad, dazu Schauer, am Alpenrand länger anhaltenden Regen und oberhalb von etwa 1500 bis 2000 Metern die ersten Schneeflocken der Saison. Für den See ist das vor allem eine Bremse für die Verdunstung, der Pegel dürfte sich damit etwas langsamer verabschieden. Eine Wende ist es nicht: Der Bodensee erreicht seinen natürlichen Tiefpunkt normalerweise erst im Februar oder März. Wirklich auffüllen kann ihn nur ein schneereicher Alpenwinter mit kräftiger Schmelze im Frühjahr.