
Am Mittelrhein ist in dieser Woche eine Marke gefallen, die seit dem Dürrejahr 2018 stand: Der für die Schifffahrt entscheidende Pegel Kaub sank am Mittwoch auf 19 Zentimeter. Frachter zwischen Rotterdam und Karlsruhe fahren teils nur noch mit einem Fünftel Ladung, die Transportpreise haben sich mehr als verdreifacht. Und die nächste Hitzewelle steht schon in den Modellen.
Kaub unterschreitet den Wert vom Oktober 2018
Der Pegel Kaub in Rheinland-Pfalz ist der maßgebliche Richtwert für die Rheinschifffahrt, weil der Fluss dort besonders eng und flach ist. Am Dienstag wurden 24 Zentimeter gemessen, am Mittwoch nur noch 19. Der bislang niedrigste bekannte Wert lag bei 25 Zentimetern vom 22. Oktober 2018. Zum Vergleich: Das mittlere Niedrigwasser liegt bei 65, der Mittelwasserstand bei 208 Zentimetern. Auch Köln mit 67, Duisburg-Ruhrort mit 149 und Emmerich mit minus vier Zentimetern erreichten neue Tiefstwerte. Nach den Schauern zur Wochenmitte zeigte Kaub am Freitagmorgen wieder rund 24 Zentimeter.
Ein Fünftel Ladung, mehr als das Dreifache an Fracht
Der Pegelwert ist nicht die Wassertiefe, die Fahrrinne ist deutlich tiefer. Für volle Beladung bräuchte es bei Kaub aber etwa 1,50 Meter. Entsprechend fahren viele Schiffe derzeit nur mit rund einem Fünftel ihrer Kapazität, Recycling- und Rohstoffverbände sprechen von einem Drittel bis zur Hälfte. Die Frachtrate für Tanker von Rotterdam nach Karlsruhe kletterte laut Reuters auf rund 150 bis 160 Euro pro Tonne, Ende Juni waren es 45 Euro. Ökonomen halten eine Dämpfung des Quartalswachstums um 0,1 bis 0,2 Prozent für möglich, das entspräche einer bis zwei Milliarden Euro.
Krisentreffen in Bonn, Hitzewelle in den Modellen
Am Donnerstag berieten Binnenschifffahrt, Häfen und Industrie in Bonn mit Bundesverkehrsminister Steffen Bilger. Kurzfristig geplant sind Ausnahmen vom Sonntags- und Feiertagsfahrverbot sowie ein Schienenkorridor für betroffene Güter. Meteorologisch bringt der Freitag mit 20 bis 25, im Süden bis 27 Grad nur eine Atempause. Das ECMWF rechnet bis zum 17. August mit lediglich 1,5 bis 7,5 Litern pro Quadratmeter und ab dem 9. oder 10. August mit 35 bis knapp 40 Grad im Westen und Süden. Niedrigwasser so früh im Jahr ist ungewöhnlich, der Tiefpunkt liegt normalerweise im Spätsommer oder Herbst.