
Der Rhein kommt einfach nicht aus dem Keller. Am Montagabend zeigte der Pegel Kaub, die wichtigste Engstelle für die Binnenschifffahrt, gerade einmal 16 Zentimeter, in Emmerich an der niederländischen Grenze lag er sogar unter null. Ab Freitag rollt eine Serie von Herbststürmen mit Regen heran. Für die Schiffe dürfte das eine Atempause werden, eine Wende bringt es aber wohl noch nicht.
Alle Rhein-Pegel im Niedrigwasserbereich
Nach den Daten der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung lagen am Montag um 18 Uhr alle großen Rhein-Pegel unter dem mittleren Niedrigwasser: Maxau 303, Mainz 120, Kaub 16, Koblenz 10, Köln 54, Düsseldorf 5 und Emmerich minus 11 Zentimeter. In Kaub war am 1. Oktober mit minus 6 Zentimetern der tiefste Stand seit Beginn der Messungen erreicht worden, der alte Rekord aus dem Jahr 2018 lag bei 25 Zentimetern. Der Pegelwert ist dabei nur eine Bezugsgröße, die Fahrrinne ist noch gut einen Meter tiefer. Für voll beladene Frachtschiffe sind in Kaub aber rund 1,50 Meter nötig, eine Fahrrinnentiefe von 1,90 Metern ist erst ab 77 Zentimetern am Pegel gewährleistet.
Ein Fluss, der für Frachter zweigeteilt ist
Die Folgen spürt die Wirtschaft seit Monaten. Binnenschiffe fahren nur noch mit einem Bruchteil ihrer Ladung, die Frachtpreise sind entsprechend gestiegen. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, sagte bereits Ende September der Nachrichtenagentur Reuters, für die meisten Transporte sei der Rhein im Grunde zweigeteilt. Betroffen sind Getreide, Erze, Kohle und Mineralölprodukte wie Benzin und Heizöl. Ursache ist der Dürresommer 2026: Aus den Alpen kam nach einem schneearmen Winter kaum Schmelzwasser, der Bodensee liegt auf Rekordtief, und auch Mosel, Main und Neckar führen viel zu wenig Wasser.
Was die Sturmserie bringen kann
Bis Mittwoch bleibt es unter Hochdruckeinfluss weitgehend trocken, am Mittwoch regnet es vor allem im Süden. Ab Freitag ziehen dann kräftige Atlantiktiefs mit Sturmböen und Regen über Deutschland. Der DWD hält in einigen Weststaulagen 30 bis 40 Liter pro Quadratmeter in 12 bis 24 Stunden für möglich, wenn auch mit geringer Wahrscheinlichkeit. Für Sonntag ist die Entwicklung noch sehr unsicher. Wir erwarten, dass Mosel, Lahn und Sieg danach vorübergehend mehr Wasser bringen und die Pegel am Mittel- und Niederrhein um einige Dezimeter steigen. Von normalen Verhältnissen bleibt der Rhein aber weit entfernt. Dafür braucht es einen nassen Winter und vor allem Schnee in den Alpen.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.



