
In nur sechs Stunden 538,5 Liter Regen pro Quadratmeter: So viel hat Météo-France in Frankreich außerhalb der Überseegebiete noch nie gemessen. Am Dienstag verwandelten sich Bäche an der Ostküste Korsikas in reißende Ströme, auch in der Provence liefen Keller und Straßen voll. Mindestens vier Menschen kamen ums Leben, ein Mann wird im Var noch vermisst.
Ein Monatsregen in einer Stunde
Den Rekord stellte die Station Solenzara an der Ostküste Korsikas am 20. Oktober auf. Nach Angaben von Météo-France fielen dort 538,5 Liter pro Quadratmeter in sechs Stunden. Der bisherige Höchstwert für das französische Festland und Korsika lag bei 525,5 Litern und stammt aus Valleraugue im Gard (September 2020). Allein in einer Stunde kamen 196,2 Liter zusammen, bis 17 Uhr waren es 596 Liter. Üblich sind in Solenzara rund 119 Liter im ganzen Oktober. Météo-France rief für die Haute-Corse die höchste Warnstufe Rot aus und sprach von einem lokal „außergewöhnlichen“ Ereignis.
Tote in Lançon-Provence und bei Ghisonaccia
Bei Ghisonaccia riss der Fluss Fium'Orbu einen Geländewagen mit. Ein Insasse rettete sich durch das Fenster, sein 65-jähriger Begleiter wurde nur noch tot geborgen. Feuerwehrleute brachten auf der Insel rund 150 Menschen in Sicherheit, manche hatten sich auf Dächer geflüchtet. In Prunelli-di-Fiumorbo wurde ein Pflegeheim geräumt, bei Chisa stürzte eine Brücke ein. Auf dem Festland wurden in Lançon-Provence zwei Frauen tot in einem überfluteten Keller gefunden, ein 75-Jähriger wurde in Saint-Mitre-les-Remparts mitgerissen. In Saint-Chamas fielen 315 Liter, in Salon-de-Provence 279 Liter. Zeitweise waren rund 8.500 Haushalte ohne Strom, die A9 bei Nîmes war gesperrt.
Warmes Meer als Treibstoff, Deutschland bekommt Sturm
Hinter der Unwetterserie steckt ein Höhentief, das seit Tagen feuchte Luft über das ungewöhnlich warme Mittelmeer führt. Zuvor hatte Tief Adam schon Ostspanien und Ligurien getroffen. Dort, wo die Luft an Gebirgen wie auf Korsika aufsteigt, regnen sich Gewitter stundenlang am selben Ort ab. In Südfrankreich entspannt sich die Lage nun, am Freitag fällt nur noch etwas Regen. Deutschland erwartet dafür am Freitag ein Sturmtief mit schweren Sturmböen im Westen und Orkanböen auf dem Feldberg, wo in der Nacht zum Samstag erster Schnee fallen kann. Am Sonntag folgt der nächste Sturm, mit kräftigem Regen in den Staulagen von Schwarzwald, Eifel und Rothaargebirge.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.



