
Die Weltmeere waren noch nie so warm wie am vergangenen Samstag: 21,1 Grad im Flächenmittel außerhalb der Polargebiete, ein neuer Tagesrekord des EU-Klimadienstes Copernicus. Besonders heiß ist das Mittelmeer – und das bekommen wir in dieser Woche zu spüren. Es liefert den Wasserdampf für die kräftigen Gewitter, die ab Mittwoch über Deutschland ziehen.
21,1 Grad: neuer Tagesrekord der Ozeane
Am Samstag lag die mittlere Meeresoberflächentemperatur außerhalb der Polargebiete bei 21,1 Grad. Der bisherige Höchstwert von 21,09 Grad stammt vom März 2024, der alte August-Rekord von 20,98 Grad aus 2023. Ungewöhnlich ist schon der Zeitpunkt, denn normalerweise erreichen die Weltmeere ihr Maximum im März und April. Samantha Burgess vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage nennt den Wert ein klares Signal für einen Ozean unter wachsendem Stress. El Niño lege zusätzliche Wärme obendrauf, auf Jahrzehnte menschengemachter Erwärmung.
Sechs Grad über dem Mittel im Golfe du Lion
Im westlichen Mittelmeer lagen die Wassertemperaturen am 13. August rund sechs Grad über dem Mittel, am stärksten im Golfe du Lion vor Südfrankreich. Vor der Iberischen Halbinsel waren es über fünf Grad, so der Copernicus Marine Service. In der ersten Jahreshälfte erlebten 98 Prozent des Mittelmeers Hitzewellenbedingungen, 80 Prozent davon starke bis extreme. Der Juni brachte mit 24,3 Grad im Flächenmittel einen Rekord. Laut Bulletin vom 22. August schrumpft die Hitzewelle zwar, südlich von Sizilien verstärkt sie sich aber weiter.
Feuchter Treibstoff für unsere Gewitter
Ein Grad wärmere Luft kann rund sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen, und über einem so warmen Meer verdunstet mehr Wasser. Eine GEOMAR-Studie von Claudia Volosciuk und Mojib Latif zeigt: Ein wärmeres Mittelmeer verstärkt Extremniederschläge in Mitteleuropa, weil Vb-Tiefs die Feuchte nach Norden schaufeln. In dieser Woche kommt sie an – Dienstag Gewitter im Südwesten, Mittwoch in der Mitte, Donnerstag im Westen örtlich Unwetter mit heftigem Starkregen, Freitag im Nordwesten und Südosten Böen bis Orkanstärke. Auf verkrusteten Böden läuft der Regen ab, Sturzfluten sind das eigentliche Risiko.