
Acht Zentimeter – so wenig Wasser zeigte der Pegel Kaub am Sonntagmorgen. Das ist der niedrigste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen und liegt weit unter dem bisherigen Rekord von 25 Zentimetern aus dem Herbst 2018. Am Mittelrhein kommen die meisten Frachter nicht mehr vorbei. Und der Regen der neuen Woche ändert daran erstaunlich wenig.
Acht Zentimeter am Nadelöhr Kaub
Kaub zwischen St. Goar und Budenheim ist die entscheidende Engstelle des Rheins: Ein Felsriegel verengt den Strom, die Fahrrinne ist schlechter ausgebaut als flussauf- und flussabwärts, umfahren lässt sich die Stelle nicht. Am Freitag fiel der Pegel dort auf sechs Zentimeter, am Samstag stieg er kurz auf elf, am Sonntagmorgen standen wieder acht Zentimeter zu Buche. Der bisherige Tiefstwert der seit 1856 geführten Messreihe lag bei 25 Zentimetern am 22. Oktober 2018. Die Zahl ist dabei nicht die Wassertiefe: In der Fahrrinne blieben zuletzt gut 1,20 Meter.
Der Strom ist faktisch zweigeteilt
Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt spricht von einem zweigeteilten Rhein. Im Norden läuft der Verkehr zwischen den Seehäfen und Köln, im Süden auf eigenen Abschnitten – beladene Schiffe kommen am Mittelrhein nicht mehr vorbei. Bei einstelligen Pegelständen lohnt sich Güterschifffahrt kaum noch. Rund 80 Prozent aller Güter auf deutschen Binnenwasserstraßen laufen über den Rhein, viele Frachter fahren derzeit nur mit einem Bruchteil der üblichen Ladung. Die Chemieindustrie warnt vor Produktionsdrosselungen, BASF wickelt in Ludwigshafen etwa 40 Prozent seiner Transporte über das Wasser ab.
Regen kommt, Entspannung erst im Herbst
Die neue Woche bringt Bewegung. Der Deutsche Wetterdienst meldet in seiner Wochenvorhersage der Wettergefahren vom Sonntag unbeständiges Wetter mit Schauern und Gewittern, am Dienstag möglichen Dauerregen an den Alpen und von Mittwoch bis Freitag gebietsweise kräftigen oder länger andauernden Regen im Südwesten, in der Mitte und am Alpenrand. Genau dort liegt das Einzugsgebiet des Rheins. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde erwartet dadurch einen Anstieg um mehrere Dezimeter, hält eine substanzielle Entspannung der Niedrigwasserlage laut Sechs-Wochen-Prognose aber erst ab Anfang Oktober für wahrscheinlich.