
Vor zwei Wochen war der Rhein bei Kaub so flach wie nie seit Beginn der Messungen im Jahr 1856. Inzwischen hat Regen aus dem Süden die Pegel wieder angehoben, am Dienstagmorgen standen 60 Zentimeter auf der Latte. Für voll beladene Frachtschiffe ist das trotzdem viel zu wenig – und die Gewitter ab Donnerstag ändern daran wenig.
Von fünf auf sechzig Zentimeter
Mitte August rutschte der Pegel Kaub im Mittelrheintal erstmals seit Messbeginn 1856 in den einstelligen Bereich – je nach Ablesezeitpunkt auf fünf bis acht Zentimeter. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde ordnete das als rund 20 Zentimeter unter dem bisherigen Tiefstwert von 25 Zentimetern vom 22. Oktober 2018 ein. Seitdem hat kräftiger Regen im Süden die Lage entschärft: Am Dienstagmorgen zeigte Kaub 60 Zentimeter mit steigender Tendenz, bis Mittwoch sind gut 70 Zentimeter zu erwarten. Zum Wochenende laufen die Werte laut amtlicher Vorhersage aber schon wieder Richtung 60 Zentimeter zurück. Der Gleichwertige Wasserstand, die Bezugsmarke für die Fahrrinnentiefe, liegt bei 77 Zentimetern.
Gewitter sind der falsche Regen
Am Mittwoch entstehen im Süden und Westen über dem Bergland einzelne Gewitter mit Starkregen, Hagel und stürmischen Böen. Am Donnerstagabend zieht von Westen eine kräftige Gewitterlage auf, am Freitag erwarten wir in der Südosthälfte schwere Gewitter mit heftigem Starkregen, Hagel und Sturmböen, örtlich sind auch Orkanböen möglich. Für den Rhein ist das die falsche Art von Niederschlag. Gewitterzellen laden ihr Wasser punktuell ab, auf verkrusteten Dürreböden läuft ein großer Teil oberflächlich in die Kanalisation statt in den Untergrund. Nachhaltig steigen die Pegel erst bei tagelangem Landregen über Alpen, Schwarzwald und Vogesen – und vor allem im Winterhalbjahr.
Industrie fährt auf Sparflamme
Die Folgen reichen weit über die Flotte hinaus. Nach Angaben des Duisburger Hafens waren Güterschiffe zuletzt mit nur rund 20 Prozent der üblichen Ladung unterwegs, eine wirkliche Entspannung erwartet Konzernbevollmächtigter Joachim Holstein erst gegen Ende September oder Anfang Oktober. Covestro hat für ausgewählte Produkte höhere Gewalt erklärt, Evonik meldet erste Produktionseinschränkungen, BASF verlagert Fracht auf Schiene und Lastwagen – am Standort Ludwigshafen läuft normalerweise rund 40 Prozent der Güter über das Wasser. Das Institut für Weltwirtschaft in Kiel rechnet damit, dass das Niedrigwasser die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal um bis zu 0,2 Prozent dämpft.