
Nach zwei ruhigen Tagen dreht die Wetterlage: Ab Mittwoch nimmt die Gewittertätigkeit zu, den Höhepunkt erwarten wir am Donnerstagabend und am Freitag. Dann kann es vor allem in der Südosthälfte ungemütlich werden, mit heftigem Starkregen, größerem Hagel und Böen bis Orkanstärke. Wie kurz die Vorwarnzeit bei solchen Zellen ist, hat der 19. August gezeigt.
Höhepunkt am Donnerstagabend und am Freitag
Am Mittwoch teilt eine Warmfront das Land: Im Norden und Süden setzt sich die Sonne durch, 22 Grad an der See stehen rund 30 Grad am Oberrhein gegenüber, und abseits des Nordostens ziehen erste Schauer und einzelne kräftige Gewitter durch. Am Donnerstag legt die Gewittertätigkeit bei 26 bis 31 Grad weiter zu, zunächst in der Westhälfte, ab dem Abend dann verbreitet von Westen her mit örtlichem Unwetterpotenzial. Der Freitag bringt in der Südosthälfte kräftige, teils schwere Gewitter: punktuell 20 bis 40 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit, Hagel um zwei bis drei Zentimeter und schwere Sturm- bis Orkanböen. Am Wochenende lässt die Gefahr nach.
Warnzeit von Minuten, nicht von Stunden
Gewitterzellen sind oft nur wenige Kilometer breit. Amtliche Unwetterwarnungen des DWD kommen deshalb erst kurzfristig heraus, häufig eine halbe bis eine Stunde vorher, bei Tornados schrumpft die Vorwarnzeit auf Minuten. Der Unwetterabend des 19. August hat das vorgeführt: Der DWD bestätigte drei Schadentornados, in Fürstenwalde an der Spree (IF1, rund 150 Kilometer pro Stunde), im Raum Wetzlar und in Höhr-Grenzhausen. DWD-Meteorologe Tobias Reinartz erklärte, die Windscherung sei recht gut gewesen, der Energiegehalt der Luft dagegen nur schwach, und der Wirbel in Fürstenwalde entstand an einem unscheinbaren Schauer: „Die Überraschung war entsprechend groß.“
Trockene Böden erhöhen die Sturzflutgefahr
Der Regen trifft auf Böden, die nach Monaten der Trockenheit verkrustet sind. Fällt in kurzer Zeit viel Wasser, sickert es kaum ein, sondern läuft oberflächlich ab: In Hanglagen, Senken und Unterführungen entstehen so binnen Minuten Sturzfluten, während Grundwasser und Talsperren von solchen Schauern kaum profitieren. Am 19. August starben nach Behörden- und Feuerwehrangaben zwei Menschen, rund ein Dutzend wurde verletzt, allein in Wetzlar-Münchholzhausen zählte die Feuerwehr etwa 60 beschädigte Häuser. Nach dem Wochenende beruhigt sich die Lage, zum Monatswechsel erwarten wir wieder mehr Sonne.