Mehr Teilnehmer, aber weniger Vögel: Die „Stunde der Wintervögel 2026" zeigt alarmierende Rückgänge bei Spatzen und weiteren Arten. Besonders Städte melden drastische Einbrüche in den Beständen.
Die diesjährigen Ergebnisse der „Stunde der Wintervögel 2026" zeichnen ein widersprüchliches Bild: So viele Menschen wie nie zuvor beteiligten sich an der bundesweiten Zählaktion – zugleich aber sinkt die Zahl der beobachteten Vögel weiter deutlich. Mehr als 145.000 Naturfreundinnen und Naturfreunde meldeten im Januar ihre Beobachtungen aus über 102.000 Gärten und Parks.
Insgesamt wurden rund 3,27 Millionen Vögel gezählt.
Doch der Blick auf die Durchschnittswerte zeigt einen klaren Trend: Im Schnitt wurden nur noch 32 Vögel pro Garten registriert – ein neuer Tiefstand seit Beginn der Aktion im Jahr 2011.
Damals lag der Wert noch bei knapp 46 Vögeln. Besonders deutlich sind die Rückgänge bei den Sperlingen. Der Haussperling, einst allgegenwärtiger Stadtvogel, verzeichnet bundesweit ein Minus von rund 15 Prozent, der Feldsperling etwa 10 Prozent.
In einigen Städten fällt der Rückgang noch drastischer aus:
In Berlin etwa wurden bis zu 45 Prozent weniger Haussperlinge gezählt als im Vorjahr. Auch der Feldsperling brach dort um rund 30 Prozent ein.
Fachleute sehen darin ein anhaltendes Strukturproblem. Der Verlust von Brutplätzen durch Gebäudesanierungen, die zunehmende Versiegelung von Flächen und ein Rückgang der Insekten als Nahrungsquelle setzen den Beständen seit Jahren zu.
Gerade der Haussperling ist als sogenannter Gebäudebrüter stark auf Nischen, Spalten und begrünte Fassaden angewiesen – Strukturen, die in modernen Städten zunehmend verschwinden. Doch nicht alle Arten entwickeln sich negativ. Kohlmeisen, Blaumeisen, Amseln, Buchfinken und Rotkehlchen wurden häufiger gemeldet als im Vorjahr.
Auch Schwanzmeisen und einige Wintergäste aus nördlichen Regionen zeigten teils deutliche Zuwächse. Diese Schwankungen lassen sich teilweise auf Witterungseinflüsse zurückführen: Schnee und Frost treiben viele Vögel an Futterstellen in Siedlungsgebieten und machen sie dort leichter sichtbar.
Trotz einzelner positiver Signale bleibt die Grundtendenz besorgniserregend. Die kontinuierlich sinkenden Durchschnittszahlen über mehr als ein Jahrzehnt hinweg deuten auf einen langfristigen Rückgang der Vogelbestände im Siedlungsraum hin.
Die „Stunde der Wintervögel", organisiert vom NABU gemeinsam mit dem LBV, gilt als größte wissenschaftliche Mitmachaktion dieser Art in Deutschland. Sie liefert wichtige Daten über Entwicklungen in der heimischen Vogelwelt – und macht sichtbar, wie stark selbst häufige Arten unter dem Druck der veränderten Lebensräume stehen.
Die nächste Gelegenheit zur Vogelzählung bietet sich bereits im Mai bei der „Stunde der Gartenvögel". Dann wird sich zeigen, ob sich der Negativtrend fortsetzt oder ob sich einzelne Bestände zumindest regional stabilisieren können.
Quelle: NABU / LBV, Stunde der Wintervögel 2026 - NABU, Endergebnisse vom 27.01.2026