
Sturmtief Luise hat am Freitag vor allem im Westen und Südwesten Deutschlands deutliche Spuren hinterlassen: Schwerverletzte auf einem Markt im Taunus, ein liegengebliebener ICE bei Aachen und umgestürzte Bäume von Duisburg bis Stuttgart. Am Samstag gibt es nur eine kurze Verschnaufpause. Ab dem Abend zieht mit Tief Manja schon der nächste Sturm heran, diesmal mit kräftigem Regen und Sturmflutgefahr an der Nordsee.
Luise: Verletzte, Bahnchaos und viele Einsätze
Am schwersten traf es Nastätten im Rhein-Lahn-Kreis. Dort warf eine Böe am Freitagnachmittag auf einem Markt ein Gestell um, nach Medienberichten wurden zwei Menschen schwer verletzt, einer davon lebensgefährlich. In Seligenstadt traf ein abgebrochener Ast einen Radfahrer, in Lebach im Saarland verletzte ein Werbeschild einen Fußgänger leicht. Bei Aachen blieb ein ICE mit 280 Fahrgästen nach einem Oberleitungsschaden liegen und musste nach Stolberg geschleppt werden. Bei Pforzheim fuhr eine Regionalbahn gegen einen Ast, bei Neuss und in Stuttgart blockierten Bäume die Gleise. Die Feuerwehr in Duisburg rückte rund 40-mal aus, die Polizei im Saarland zählte bis zum Abend 59 sturmbedingte Einsätze.
Manja bringt Regen, Sturm und erhöhte Wasserstände
Luise zieht am Samstag über die Ostsee nach Dänemark ab. Tagsüber lässt der Wind im Binnenland nach, an der Küste bleibt es aber stürmisch. Ab dem Abend greift Tief Manja von Westen über. Bis Sonntagvormittag erwarten wir in den westlichen und südwestlichen Mittelgebirgen kräftigen Regen, in Staulagen sind unwetterartige Mengen möglich. An der Nordsee drohen am Sonntag Böen bis 100 km/h und einzelne Orkanböen, auf dem Brocken auch volle Orkanstärke. Das BSH rechnet von Sonntag bis Montag mit deutlich erhöhten Wasserständen an der Nordseeküste und im Elbegebiet. In Hamburg könnte der tiefer gelegene Fischmarkt überflutet werden, der NLWKN erwartet in Emden eine leichte Sturmflut mit bis zu 1,75 Metern über dem mittleren Hochwasser.
Fähren fallen aus, ab Dienstag wird es ruhiger
Wer an der Küste unterwegs ist, muss sich auf Ausfälle einstellen: Die Schnellfähren nach Helgoland bleiben am Wochenende im Hafen, die Halligen werden am Sonntag und Montag nicht angefahren. In Wyk auf Föhr wurde der Deichdurchlass am Hafen vorsorglich geschlossen. Köln und Aachen raten weiter davon ab, Wälder, Parks und Friedhöfe zu betreten, in Erfurt bleiben die Friedhöfe am Wochenende geschlossen. Da in der Nacht zum Sonntag auch noch die Uhren zurückgestellt werden, sollte man die Wetterlage vor Fahrten im Blick behalten. Am Montag weht an der Nordsee noch stürmischer Wind, ab Dienstag beruhigt sich das Wetter spürbar, und es wird mit 13 bis 18 Grad erstaunlich mild.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.



