
Während im Atlantik seit Wochen kein einziger Tropensturm mehr entsteht, hält der Westpazifik seinen 15. benannten Sturm in Bewegung. Taifun Dolphin zieht seit dem 26. Juli westwärts und erreicht am Freitag die japanische Hauptinsel Okinawa mit ihren rund 1,4 Millionen Einwohnern. Fähren und Flüge fallen aus, die Behörden warnen vor Sturzfluten.
Zwölf Tage Weg über den Pazifik
Dolphin entstand am 26. Juli weit draußen im Pazifik und verstärkte sich anschließend so schnell wie kein Taifun seit Noru im Jahr 2022. Am 29. und 30. Juli erreichte das System seinen Höhepunkt mit einem Kerndruck um 910 Hektopascal. Die japanische Wetterbehörde führte es damit als violenten Taifun in ihrer höchsten Stufe, das US-Warnzentrum JTWC als Kategorie 5. Am 4. August passierte der Kern die Ogasawara-Inseln südlich von Chichijima, das im gefährlicheren rechten Sturmhalbkreis lag. Dort türmten sich Wellen von 8 bis 10 Metern.
Okinawa im Sturmfeld
Am Donnerstagmorgen lag das Zentrum noch rund 480 Kilometer östlich der Air Base Kadena und zog mit knapp 20 Kilometern pro Stunde nach Westnordwesten. Der Kerndruck war auf etwa 956 Hektopascal gestiegen, die anhaltenden Winde auf rund 150 Kilometer pro Stunde zurückgegangen. Dolphin schwächt sich also ab, bleibt aber ein sehr großer Taifun. Für die Daito-Inseln gilt bereits eine Warnung vor Orkanwinden, Okinawa folgt am Freitag. Erwartet werden 150 bis 300 Millimeter Regen, überflutete Straßen und Wellen bis zwölf Meter. Erst im Juli hatte Taifun Bavi die Region getroffen.
Der Atlantik bleibt auffällig leer
Der Kontrast zur anderen Seite der Erde ist bemerkenswert. Im Atlantik gab es bis Anfang August nur zwei benannte Stürme: Arthur hielt sich vom 17. bis 18. Juni keine 24 Stunden, Bertha erreichte zwei Tage nach ihrer Entstehung am 20. Juli die Küste von Louisiana. Ihre gemeinsame Sturmenergie liegt bei einem ACE-Wert von 2,6 und damit mehr als 70 Prozent unter dem Mittel. Verantwortlich ist vor allem El Niño, das seit dem 11. Juni offiziell läuft und die Höhenwinde über der Karibik verschert. Dazu kommt Saharastaub. Das Hurrikanzentrum erwartet bis in die nächste Woche kein neues System.