
Der letzte Sommertag endet turbulent: Ein Trog schiebt kühle Höhenluft über die noch sehr warmen Meere, kräftige Schauer und Gewitter ziehen durch die Nordhälfte. Im Westen und Nordwesten steckt in den Zellen ein kleines Tornadopotenzial. Und über Nord- und Ostsee beginnt jetzt die Zeit, in der Wasserhosen am häufigsten auftreten.
Böen bis 85 km/h und Hagel in der Nordhälfte
Tief TESSA liegt über der Nordsee, sein Kerndruck knapp unter 1005 Hektopascal, und lenkt kühle Luft nach Mitteleuropa. In Schauern und Gewittern erwarten wir Böen um 75, örtlich bis 85 Kilometer pro Stunde, im Nordosten kann eine organisierte Gewitterlinie sogar einzelne schwere Sturmböen bringen. Dazu fallen bis zu 15 Liter pro Quadratmeter in einer Stunde, örtlich mischt sich kleinkörniger Hagel darunter. Der Deutsche Wetterdienst warnt in der Nordhälfte vor teils kräftigen Gewittern, im Harz und im Thüringer Wald vor Sturmböen. Die Höchstwerte liegen bei 22 bis 27 Grad.
Warum jetzt die Wasserhosen-Zeit beginnt
Wasserhosen sind Tornados über Wasser. Sie entstehen, wenn feuchtwarme Luft direkt über der Meeresoberfläche auf deutlich kältere Luft in der Höhe trifft: Die Schichtung wird labil, Schauer schießen in die Höhe, und schon eine schwache bodennahe Windscherung reicht, damit sich ein Wirbel bis zur Wasseroberfläche durchsetzt. Genau diese Zutaten liegen heute im Westen und Nordwesten bereit, mit Wolkenbasen unter 1000 Metern. Nord- und Ostsee sind nach dem heißen Sommer noch ungewöhnlich warm, der Antrieb ist also kräftig. Nach Angaben des DWD zählt Deutschland im Mittel rund 49 Tornados pro Jahr, etwa 18 davon über Wasser, mit Schwerpunkt im August und September.
Ruhigste Saison seit Jahren – jetzt der Nachschlag
2026 war bisher ein ausgesprochen ruhiges Tornadojahr. Der erste bestätigte Fall waren laut DWD-Zwischenbilanz Wasserhosen vor Borkum am 3. Juni – der späteste Saisonstart seit dem Jahr 2000. Bis Ende Juli standen nur 13 bestätigte Tornados in der Statistik; als Ursache nennt der DWD lange Hochdruckphasen und die Dürre, die die nötige Windscherung unterdrückten. Mitte August drehte die Lage: Am 19. August wirbelten zwei Wasserhosen vor Norderney über die Nordsee. In der Nacht zieht der Trog ostwärts ab, am Dienstag beruhigt sich das Wetter bei 20 bis 26 Grad, am Mittwoch fällt im Norden neuer Regen.