
Wo sonst Wasser fließt, liegt trockener Kies: In Baden-Württemberg fallen ganze Bachabschnitte trocken, Angelvereine holen mit Keschern heraus, was noch lebt. Der Dürresommer trifft die kleinen Gewässer härter als Rhein und Donau. Und der Regen, den der DWD für diese Woche ankündigt, kommt für viele Fische zu spät.
Über 3000 Fische in Eimern umgesetzt
An der Fehla auf der Schwäbischen Alb zählte am Wochenende jede Stunde. Der Fischereiverein Neufra fing bei einer Notabfischung am 14. und 15. August rund 300 Bachforellen, 200 Groppen und etwa 2500 Elritzen aus den letzten Restgumpen und setzte sie in die Lauchert um. Der Bach wird streckenweise nur noch vom Klärwasser aus Burladingen gespeist, zusätzlich versickert Wasser im Karst. In Freiburg standen im Gewerbekanal zuletzt nur fünf bis sechs Zentimeter Wasser, tausende Fische waren dort bereits verendet. Der Angelsportverein barg, was in schattigen Abschnitten überlebt hatte.
Warum kleine Bäche zuerst kippen
Kleine Gewässer haben kaum Puffer. Wenig Wasser erwärmt sich schnell, warmes Wasser bindet weniger Sauerstoff, und der Bedarf der Fische steigt mit der Temperatur an. Wie viel dabei der Uferbewuchs ausmacht, zeigen Messungen im Einzugsgebiet der Wümme: Unbeschattete Abschnitte kamen über 25 Grad Wassertemperatur, beschattete lagen bei rund 16 Grad. In Niedersachsen fehlten im Juli gut 40 Prozent des Niederschlags, im Westen bis zu 75 Prozent. Der Anglerverband erwirkte deshalb eine Sonderregelung für Notbergungen bis Ende Oktober. Aus Rheinland-Pfalz werden Zusammenbrüche in Nebenbächen von Rhein, Mosel und Nahe gemeldet.
Der Regen kommt, und bringt neue Risiken
Der Deutsche Wetterdienst kündigt in seiner Wochenvorhersage der Wettergefahren vom 18. August unbeständiges Wetter an: im Süden örtlich kräftige Gewitter mit Starkregen und Hagel, am Freitag und in der Nacht zum Samstag gebietsweise mehrstündiger Starkregen. Für ausgezehrte Bäche ist das nur die halbe Rettung. Auf verkrusteten Böden läuft ein Guss oberflächlich ab, statt zu versickern, und er spült organisches Material ins Wasser, dessen Zersetzung zusätzlich Sauerstoff zehrt. Quellen und Grundwasser füllen sich erst durch ruhige, ergiebige Niederschläge in Herbst und Winter wieder auf.