Hitzewellen belasten nicht nur den Kreislauf Wenn die Temperaturen im Sommer auf über 30 Grad steigen, denken viele zunächst an die körperlichen Belastungen durch die Hitze. Kreislaufprobleme, Dehydrierung oder Schlafmangel sind bekannte Folgen heißer Tage.
Weniger bekannt ist jedoch, dass hohe Temperaturen auch die psychische Gesundheit beeinflussen können:
Fachleute beobachten seit Jahren, dass während längerer Hitzeperioden die Zahl psychischer Krisen zunimmt. Studien zeigen, dass Menschen bei großer Hitze häufiger psychiatrische Notdienste aufsuchen.
Auch das Risiko für Suizidversuche und Suizide steigt statistisch mit zunehmenden Temperaturen an.
Warum Hitze das Gehirn unter Stress setzt
Anhaltende Hitze bedeutet für den menschlichen Organismus Dauerstress. Der Körper muss rund um die Uhr Energie aufwenden, um seine Temperatur zu regulieren und Überhitzung zu vermeiden. Dieses permanente Arbeiten des Kühlsystems belastet nicht nur Herz und Kreislauf, sondern auch das Gehirn. Die Folge können Konzentrationsprobleme, Gereiztheit und eine verminderte emotionale Kontrolle sein.
Menschen reagieren in Hitzephasen oft impulsiver und treffen risikoreichere Entscheidungen. Auch Konflikte und aggressives Verhalten können zunehmen.
Besonders problematisch wird die Situation, wenn hohe Temperaturen über mehrere Tage oder sogar Wochen anhalten und der Körper keine ausreichenden Erholungsphasen erhält. Schlafmangel verstärkt die Belastung Eine wichtige Rolle spielt dabei der Schlaf.
Tropennächte mit Temperaturen von über 20 Grad erschweren das Ein- und Durchschlafen erheblich. Der Organismus bleibt selbst während der Nacht mit der Wärmeabgabe beschäftigt und kann sich schlechter regenerieren. Die Folgen zeigen sich häufig schon am nächsten Tag: Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsschwächen und eine geringere Belastbarkeit. Für Menschen, die bereits unter psychischen Erkrankungen leiden, können solche Schlafstörungen bestehende Symptome zusätzlich verschlimmern.
Besonders gefährdete Personengruppen
Als besonders gefährdet gelten Menschen mit Depressionen, bipolaren Störungen, Schizophrenie oder Demenzerkrankungen. Hitze kann bestehende Beschwerden verstärken und die Fähigkeit beeinträchtigen, angemessen auf die Belastung zu reagieren. Hinzu kommt, dass einige Psychopharmaka das Durstempfinden verändern oder die natürliche Temperaturregulation des Körpers beeinträchtigen können. Dadurch steigt das Risiko für Überhitzung und Flüssigkeitsmangel zusätzlich. Auch Menschen mit Suchterkrankungen sollten während Hitzewellen besonders vorsichtig sein. Alkohol und andere Drogen können die Auswirkungen hoher Temperaturen deutlich verstärken.
Hitzeschutz wird immer wichtiger
Wissenschaftsübergreift herrscht der Konsens, dass Hitzewellen im Zuge des Klimawandels künftig häufiger, länger und intensiver auftreten werden.
Damit rücken neben den körperlichen auch die psychischen Folgen von Hitze zunehmend in den Fokus.
Experten empfehlen, ausreichend Wasser zu trinken, direkte Sonneneinstrahlung zu vermeiden, körperliche Anstrengungen zu reduzieren und besonders auf ausreichenden Schlaf zu achten.
Wer unter einer psychischen Erkrankung leidet, sollte zudem frühzeitig mit behandelnden Ärzten oder Therapeuten besprechen, welche Schutzmaßnahmen während Hitzeperioden sinnvoll sind. Hitzeschutz bedeutet damit längst nicht mehr nur Schutz vor Kreislaufproblemen – sondern auch Schutz für die mentale Gesundheit.