
Nur sechs Tage nach Zyklon Arnab ist an der Ostküste Indiens erneut ein Wirbelsturm auf Land getroffen. Zyklon Murasu erreichte am frühen Dienstagmorgen die Küste von Andhra Pradesh nahe Ongole, mit Orkanböen und sintflutartigem Regen. Rund 10.000 Menschen verbrachten die Nacht in Notunterkünften. Gefährlich wird Murasu jetzt vor allem durch das Wasser.
Landfall in der Nacht bei Ongole
Nach Angaben des indischen Wetterdienstes IMD überquerte Murasu die Küste zwischen 3:30 und 5:30 Uhr Ortszeit, zwischen Nellore und Narsapur im Süden Andhra Pradeshs. Das IMD stufte ihn als schweren Zyklonsturm ein, mit 100 bis 110 km/h Dauerwind und Böen bis 120 km/h. Für die Küsten von Andhra Pradesh und Nord-Tamil-Nadu galt die höchste Warnstufe „Red Message“. In Bapatla, Krishna und Prakasam drohte eine Sturmflut von 1 bis 1,5 Metern über der normalen Tide. Murasu hatte sich erst am 31. Oktober im Golf von Bengalen als Tiefdruckgebiet gebildet und innerhalb von zwei Tagen zum schweren Zyklonsturm verstärkt.
Fast 200 Liter Regen und überflutete Häuser
Noch heftiger als der Wind war der Regen. Bis Dienstagmorgen, 6 Uhr, fielen in Naguluppalapadu (Distrikt Prakasam) 198 Liter pro Quadratmeter, in Kothapatnam 182 Liter. In tief gelegenen Gebieten liefen Häuser voll, umgestürzte Bäume und Strommasten blockierten Straßen und legten die Stromversorgung lahm. Nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde von Andhra Pradesh (Leiter Prakhar Jain) gab es zunächst keine Toten oder Verletzten. 19 Inlandsflüge wurden gestrichen, Schulen blieben geschlossen, und in Vijayawada verzögerte der Regen die Auszählung der Kommunalwahlen. Erst in der Vorwoche hatte Zyklon Arnab dieselbe Küste getroffen, laut Reuters kamen dabei mindestens sechs Menschen ums Leben.
Sturzflutgefahr im Landesinneren, in Deutschland bleibt es ruhig
Murasu zieht nach Nordnordwest ins Landesinnere und schwächt sich dabei rasch zu einem Tiefdruckgebiet ab. Der Regen bleibt aber gefährlich: Für die Küste Andhra Pradeshs und für Rayalaseema rechnet das IMD am Dienstag mit schwerem, örtlich extremem Regen, auch in Telangana sind extreme Mengen möglich. In mehr als einem Dutzend Distrikten besteht mäßige Sturzflutgefahr, auf den bereits durchnässten Böden fließt jeder weitere Regen sofort ab. Fischer sollen bis Mittwochnachmittag an Land bleiben. In Deutschland ist es dagegen weiter ruhig: Hoch Klaus hält uns trocken, nachts gibt es bei Aufklaren leichten Frost bis minus 4 Grad, am Mittwoch frischt der Ostwind auf.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.


