
Die atlantische Hurrikansaison läuft seit dem 1. Juni, acht benannte Stürme sind entstanden – und kein einziger davon wurde zum Hurrikan. Damit steht in dieser Woche eine Marke auf der Kippe, die seit 121 Jahren hält: Nie wurde der erste Hurrikan eines Jahres später als am 8. Oktober registriert. Dahinter steckt ein El Niño der Rekordklasse.
Acht Stürme, kein einziger Hurrikan
Von Arthur bis Hanna zählt die Bilanz der US-Hurrikanbehörde NHC acht benannte Stürme, drei davon trafen die US-Golfküste. Über Tropensturmstärke kam keiner hinaus. Die Energiebilanz der Saison, der ACE-Index, liegt Anfang Oktober bei rund elf Einheiten – ein durchschnittliches Atlantikjahr erreicht am Ende gut 100. Bereits am 11. September war klar, dass keine Saison des Satellitenzeitalters so lange ohne Hurrikan blieb. Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1851 gingen überhaupt nur zwei Jahre komplett hurrikanfrei zu Ende: 1907 und 1914.
El Niño köpft die Gewitterwolken
Warm genug ist das Wasser längst, der Tropik fehlt die Ruhe in der Höhe. Ein außergewöhnlich kräftiger El Niño im Pazifik verstärkt die Höhenströmung über dem Atlantik, über der Karibik wurden im Juli die höchsten Windscherungswerte seit Beginn der Reanalysedaten 1979 ermittelt. Scherung reißt die Gewitterwolken auseinander, bevor sich ein Auge bilden kann. Westlich von Mittelamerika zeigt dieselbe Großwetterlage ihr Gegenstück: Ost- und Zentralpazifik kommen zusammen auf rund 20 benannte Stürme, zehn Hurrikane und drei Systeme der Kategorie 5. Aktuell zieht Hurrikan Rachel als Kategorie 3 vor der mexikanischen Westküste.
Eine Chance bleibt der Saison noch
Entschieden ist nichts, die Saison läuft offiziell bis zum 30. November. Das NHC beobachtet seit Montagfrüh eine Tiefdruckrinne im südwestlichen Golf von Mexiko und gibt ihr zehn Prozent Entwicklungschance binnen 48 Stunden und 50 Prozent auf Sicht von sieben Tagen. Zur Wochenmitte könnte daraus ein tropisches Tief werden, der nächste Name auf der Liste wäre Isaias. Bis zur Hurrikanstärke ist es von dort allerdings weit. Auf unser Wetter wirkt sich das nicht aus: Bei uns bleibt es bis Mittwoch mild, abends ziehen von Westen Schauer auf, am Donnerstag folgt der Umschwung mit Regen und nur noch 14 bis 20 Grad.
Johannes Graf
B. Sc. Meteorologie
Schon seit meiner Kindheit empfinde ich eine große Leidenschaft für meteorologische Phänomene. Das Wetter draußen zu beobachten sowie die ständigen Schwankungen des Thermometers faszinieren mich nach wie vor. Diese Verbundenheit mit der Meteorologie motivierte mich dazu, ein Meteorologiestudium am Karlsruher Institut für Technologie zu absolvieren. Seit April 2022 lebe ich meine Leidenschaft beruflich aus und bin Mitglied des Teams bei wetter.net.



