
Vor Hawaii hat sich ein Hurrikan tagelang festgefahren – und genau das machte ihn gefährlich. Nolo kroch mit Schrittgeschwindigkeit südlich an Big Island vorbei und lud dabei Regenmengen ab, die in Deutschland für ein halbes Jahr reichen würden. Für Hawaii ist es schon der dritte Hurrikan-Alarm in diesem Jahr – so viele gab es dort noch nie.
Ein Hurrikan im Schritttempo
Nach dem Lagebericht des Central Pacific Hurricane Center vom Samstagabend Ortszeit stand Nolo rund 265 Kilometer südsüdwestlich von South Point, dem Südkap von Big Island, und zog mit nur 13 Kilometern pro Stunde westwärts. Der Kerndruck lag bei 969 Hektopascal, die mittleren Winde bei etwa 145 Kilometern pro Stunde. Alle Küstenwarnungen wurden aufgehoben, weil der Kern die Hauptinseln weit südlich passiert. Über dem offenen Pazifik soll sich der Hurrikan zum Wochenstart aber noch einmal deutlich verstärken.
Regen, der nicht weiterzieht
Gefährlich war nicht der Wind, sondern das fehlende Tempo. Weil Nolo kaum vorankam, schoben seine Regenbänder immer wieder dieselben Hänge hinauf. In Laupahoehoe an der Ostküste fielen binnen 24 Stunden knapp 250 Liter pro Quadratmeter, am Saddle Quarry rund 210. Das Hurrikanzentrum warnte vor lebensgefährlichen Sturzfluten und Hangrutschen und hielt örtlich bis zu 890 Liter für möglich. Der Highway 11 bei Waiohinu wurde wegen Überflutung gesperrt, Turnhallen dienten als Notunterkünfte, an den Südküsten liefen bis zu fünf Meter hohe Wellen auf.
Rekordjahr im Pazifik, Stille im Atlantik
Vor 2026 zogen nach Auswertung des Hurrikanexperten Michael Lowry überhaupt nur sechs Hurrikane innerhalb von 80 Kilometern an Hawaii vorbei, zuletzt Hone im Jahr 2024. Allein in diesem Jahr waren es mit Lala, Lowell und nun Nolo drei Anläufe. Treiber ist der außergewöhnlich starke El Niño, der die Tropenstürme in den zentralen Pazifik verschiebt und den Atlantik zugleich ausbremst: Dort ist bis Ende September kein einziger Hurrikan entstanden, zuletzt passierte das 1914. Uns lässt das kalt – bis Mittwoch bleibt es sonnig und spätsommerlich mit 22 bis 29 Grad, am Oberrhein um 31 Grad.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.







