
Mit Böen von rund 180 Kilometern pro Stunde ist Hurrikan Isaias in der Nacht zum Samstag an der Küste des Florida Panhandle an Land gegangen. Es ist der erste Hurrikan seit zwei Jahren, der auf das US-Festland trifft. In Florida, Alabama und Georgia haben fast 700.000 Strom-Anschlüsse keinen Strom mehr. Das Unwetter zieht jetzt landeinwärts und bringt dort sintflutartigen Regen.
Landfall bei Destin mit Kategorie 2
Nach Angaben des National Hurricane Center erreichte Isaias am Freitagabend gegen 20:30 Uhr Ortszeit (Samstag 3:30 Uhr deutscher Zeit) nahe Destin die Küste. Er kam als Hurrikan der Kategorie 2 mit rund 170 km/h Dauerwind und einem Kerndruck von 971 Hektopascal an Land. Am Santa Rosa Sound wurde eine Böe von 112 Meilen pro Stunde gemessen, das sind rund 180 km/h. Der Wasserstand stieg um mehr als anderthalb Meter, in Destin riss die Flut einen Strandsteg weg. Für Destin und Fort Walton Beach galt ein Sturzflut-Notfall. Nach Daten von PowerOutage.us waren zeitweise mehr als 697.000 Haushalte und Betriebe ohne Strom.
Rekord-Spätstarter in einer gebremsten Saison
Isaias ist der erste Atlantik-Hurrikan des Jahres 2026. Seit 121 Jahren hat sich der erste Hurrikan einer Saison nicht mehr so spät gebildet, nur knapp hielt der Rekord vom 8. Oktober 1905. Normalerweise entsteht er Anfang bis Mitte August. Gebremst hat die Saison der starke El Niño, der über dem Atlantik für kräftige Höhenwinde sorgt, die junge Stürme zerreißen. Isaias fand im rekordwarmen Golf von Mexiko trotzdem genug Energie und war am Freitag zwischenzeitlich sogar ein Hurrikan der Kategorie 3. Florida, Alabama und Georgia haben den Notstand ausgerufen, im Golf ruhten rund 70 Prozent der Ölförderung.
Regenflut im Südosten, ruhigere Zeiten bei uns
Am Wochenende zieht Isaias geschwächt über Alabama bis ins Tennessee Valley. Der Sturm verliert dabei seine tropischen Eigenschaften, gefährlich bleibt er trotzdem: Das Hurrikanzentrum erwartet 100 bis 200, örtlich bis 380 Liter Regen pro Quadratmeter und einzelne Tornados bis in die Carolinas. Gleichzeitig nähert sich aus dem Pazifik Tropensturm Rachel Niederkalifornien. Im Süden Kaliforniens drohen ab Sonntag Starkregen und hohe Brandung. Bei uns bleibt es am Wochenende windig. An der Nordsee ziehen kräftige Schauer und Gewitter durch, zwischen den Ostfriesischen Inseln und Dithmarschen fallen bis Sonntagmittag 30 bis 50 Liter pro Quadratmeter. Ab Montag wird es ruhiger und mild.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.



