
Mitten im Hochsommer färben sich Buchen braun, Birken werfen ihr Laub ab. Was nach einem frühen Herbst aussieht, ist der sichtbare Notfallplan von Bäumen nach fünf zu trockenen Monaten in Folge. Und es bleibt nicht beim Anblick: Forstämter warnen inzwischen vor Ästen, die selbst bei völliger Windstille plötzlich abbrechen.
Fünf zu trockene Monate in Folge
Der Juli 2026 war laut Deutschem Wetterdienst der fünfte zu trockene Monat in Serie. Bundesweit fielen nur rund 40 Liter pro Quadratmeter statt der üblichen 78, in Hessen waren es etwa 14 Liter, in Nordrhein-Westfalen mit rund 18 Litern so wenig wie in keinem Juli seit Messbeginn 1881. Dazu kamen rund 272 Sonnenstunden, etwa 30 Prozent über dem Referenzmittel. Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums UFZ zeigt, dass der Boden bis in zwei Meter Tiefe inzwischen fast überall in Deutschland zu trocken ist. Genau dort holen sich Bäume im Hochsommer ihr Wasser.
Warum die Blätter jetzt schon braun werden
Bäume reagieren auf Wassermangel in Stufen: Zuerst schließen sie ihre Spaltöffnungen, dann rollen Buchen ihre Blätter der Länge nach ein, um Strahlung abzufangen. Forstleute nennen das Schiffchenbildung. Erst danach werden Laub oder ganze Zweige abgeworfen. Rund um Heidelberg tragen viele Buchen laut der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg inzwischen fast nur noch braunes Laub. Ob dahinter ein gesteuerter Notlaubfall steckt oder schlicht ein Hitzeschaden, bei dem das Blatt abstirbt, lässt sich von außen kaum unterscheiden. Linden und Ahorn kommen bisher besser zurecht als Buchen und Birken.
Grünastabbruch: Die unterschätzte Gefahr
Praktisch gefährlich wird der Trockenstress durch den sogenannten Grünastabbruch. Weil der Innendruck in den Zellen nachlässt, brechen scheinbar gesunde Äste auch ohne Wind unvermittelt ab. Das Forstamt Karlsruhe warnte am 3. August ausdrücklich davor, sich längere Zeit unter alten Buchen und Eichen aufzuhalten, und ordnet die gelben Blätter nicht als frühen Herbst ein, sondern als unmittelbare Folge der klimatischen Veränderungen. Aachen meldete zwei Tage zuvor vermehrte Grünastbrüche im gesamten Stadtgebiet, die Bodenspeicher in 30 bis 50 Zentimeter Tiefe seien leergelaufen. Die Stadt wässert nun rund 2.400 Jungbäume pro Woche.