
Bei bis zu 38 Grad und Hitzewarnungen in weiten Teilen Deutschlands leidet nicht nur der Mensch. In Flüssen und Seen läuft ein stiller Notstand: Je wärmer das Wasser, desto weniger Sauerstoff hält es – und desto mehr brauchen die Fische. Schon Ende Juni kratzten Rhein, Elbe und Main an der 30-Grad-Marke, jetzt läuft die vierte Hitzewelle des Sommers.
Weniger Sauerstoff, gleichzeitig mehr Bedarf
Kaltes Wasser kann rund zwölf Milligramm Sauerstoff pro Liter binden, bei 25 Grad sind es nur noch sieben bis acht. Gleichzeitig steigt der Verbrauch: Nach Angaben der Gewässerforscherin Marieke Frassl verdoppelt bis verdreifacht sich die Stoffwechselrate von Wasserorganismen, wenn die Temperatur um zehn Grad zunimmt. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde nennt 28 Grad als kritische Schwelle – darüber wird es für viele Fischarten lebensbedrohlich. Für Hechte liegt die tödliche Grenze bei etwa 30 Grad, Forellen fühlen sich bei rund 17 Grad wohl.
Von Steinhuder Meer bis Isselburg: erste Fischsterben
Im Steinhuder Meer in Niedersachsen und im brandenburgischen Scharmützelsee wurden in diesem Sommer rund 30 Grad an der Oberfläche gemessen – üblich sind 23 bis 25 Grad. Am Steinhuder Meer starben massenhaft Hechte, für Karsten Rinke vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung ein „äußerst bedenkliches Warnsignal". Kleine Gewässer trifft es besonders hart: Im Werther See in Isselburg meldete ein Angelsportverein Ende Juni ein massives Fischsterben, die Feuerwehr brachte bis in die Nacht Sauerstoff ins Wasser. Seit dem 29. Juli läuft dort ein Belüfter mit Tauchmotor.
Niedrigwasser verstärkt die Erwärmung
Das Rekord-Niedrigwasser wirkt als Brandbeschleuniger: Wo wenig Wasser fließt, heizt die Sonne den flachen Rest schneller auf, und Nähr- sowie Schadstoffe verdünnen sich schlechter. Für heute und Mittwoch erwartet der Deutsche Wetterdienst kräftige Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen. Die kühlere Luft entlastet die Gewässer kurzfristig, doch einzelne Schauer heben weder Pegel noch Sauerstoffgehalt nachhaltig. Bundesanstalt für Gewässerkunde und Deltares rechnen damit, dass sich der Rhein bis zum Jahrhundertende um bis zu 4,2 Grad erwärmen kann.