
Der Edersee in Nordhessen ist am Montagmorgen auf 219,88 Meter über Normalnull gesunken - gerade noch 13 Prozent seines Stauraums. Wo sonst Segelboote kreuzen, liegen Brücken und Dorfruinen aus der Zeit vor 1913 frei. Für die Weser hat das handfeste Folgen: Das Wasser, das die Schifffahrt flott hält, gibt die Talsperre längst nicht mehr her.
Nur noch 26,7 Millionen Kubikmeter
Am Montagmorgen stand der Pegel bei 219,88 Metern über Normalnull. Das sind rund 25 Meter unter Vollstau und gut zehn Meter unter dem, was für diesen Termin im Mittel der Jahre 1991 bis 2020 üblich ist (230,24 Meter). Im Becken liegen noch 26,72 Millionen Kubikmeter, fassen kann die Sperre knapp 200 Millionen. Zum Allzeittief fehlt trotzdem einiges: Im Dezember 1959 waren es nur 9,1 Millionen Kubikmeter. Entscheidend ist der Zufluss - mit 1,32 Kubikmetern pro Sekunde kommt weniger an, als unten abgegeben wird.
Zuschusswasser für die Weser seit August gestoppt
Die Edertalsperre ist kein reiner Badesee, sie hält im Sommer die Oberweser schiffbar. Üblich sind dafür 20 bis 30 Kubikmeter pro Sekunde, derzeit läuft nur die reduzierte Mindestabgabe von 3. Die Stützung der Oberweser wurde bereits Anfang August eingestellt, seither hängt der Pegel allein am Regen. Maurice Jurke vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser verwies darauf, dass seit März in keinem Monat mehr als 50 Prozent des üblichen Niederschlags im Einzugsgebiet gefallen sind. Für beladene Frachter ist die Oberweser abschnittsweise schlicht zu flach.
Versunkene Dörfer frei - und kein Landregen in Sicht
Sichtbar wird das Defizit an den Ruinen: Die Aseler Brücke liegt frei und lässt sich zu Fuß überqueren, die Dorfstellen von Alt-Bringhausen und Berich tauchen auf. 1913 wurden für den Stausee drei Dörfer geflutet, rund 900 Menschen mussten umziehen. Ein schwacher Trost für die Region: "Das ist für uns katastrophal", sagte Thomas Hennig vom Regionalverband Eder-Diemel im Sommer, sein Betrieb verliere im zweiten Jahr die Hälfte des Umsatzes. Unsere Vorhersage bringt keine Wende - nach einzelnen kräftigen Gewittern am Mittwoch im Nordwesten und am Donnerstag im Südosten setzt sich wieder Hochdruck durch, bei 15 bis 23 Grad. Schauer füllen keine Talsperre, das Becken erholt sich erst im Winterhalbjahr.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.





