
Am 29. Juni war das Winterpolster der Schweizer Gletscher aufgebraucht – nur drei Tage später als im Rekordjahr 2022. Seither geht die Hitze direkt an das uralte Eis. Auch in den Bayerischen Alpen läuft der Rückzug inzwischen doppelt so schnell wie noch vor wenigen Jahren. Was das für den Sommer 2026 und für Deutschlands letzte Gletscher bedeutet.
Ab dem 29. Juni ging es an die Substanz
Der schneearme Winter 2025/26 brachte in Teilen der Alpen 50 bis 75 Prozent weniger Schnee als üblich, dazu legte sich im März Saharastaub auf die Schneedecke und ließ sie schneller schmelzen. Nach Angaben der ETH Zürich und des Schweizer Gletschermessnetzes GLAMOS war die Schneereserve deshalb schon am 29. Juni verbraucht. Nur 2022 war es mit dem 26. Juni noch früher. Am Rhonegletscher schmolzen seit Mitte Juni im Mittel rund zehn Zentimeter Eis pro Tag, über vier Meter in einem einzigen Monat. GLAMOS führt 2026 derzeit als zweitschlechtestes Jahr der Messreihe.
Bayern verliert ein Viertel seiner Gletscherfläche
Für Deutschland liefert eine Vermessung der Hochschule München und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften die Zahlen. Zwischen 2023 und 2025 büßten die bayerischen Gletscher mehr als ein Viertel ihrer Fläche ein, die Eisdicke nahm im Mittel um 1,6 Meter pro Jahr ab. Von 2018 bis 2023 war es nur halb so viel gewesen. Blaueis und Watzmanngletscher in den Berchtesgadener Alpen verloren über 40 Prozent ihrer Fläche, der Höllentalferner dagegen nur neun Prozent. Glaziologe Christoph Mayer spricht von einer Verdopplung des Tempos. An der Zugspitze lagen 2024 und 2025 mehr als zwei Grad über dem Mittel der 125-jährigen Messreihe.
Vom Skigebiet zum Schutthang
Am Nördlichen Schneeferner an der Zugspitze sank die Eisoberfläche im Bereich der Liftspur um sieben bis acht Meter, die Piste wurde dadurch zu steil. Im März 2026 wurde der Plattlift abgebaut, Deutschland verliert damit sein letztes Gletscherskigebiet. Langfristig geht es um mehr als den Tourismus: Fällt das Eis weg, liefert es auch in Hitzesommern kein Schmelzwasser mehr, das Bäche und Flüsse bisher gestützt hat. Dazu kommen häufigerer Steinschlag und instabile Hänge, wenn der Permafrost im Hochgebirge weiter auftaut.