
Istanbul erlebt den nassesten Herbsttag seit Jahrzehnten: In der Nacht zum Donnerstag verwandelten sich Straßen und Unterführungen der 16-Millionen-Metropole in reißende Bäche. Mindestens drei Menschen kamen ums Leben, vier werden noch vermisst. Und die Lage ist noch nicht ausgestanden: Der türkische Wetterdienst warnt bis in die Nacht zum Sonntag vor weiterem kräftigem Regen.
Stärkster Regen seit Beginn der Messungen
Istanbuls Gouverneur Davut Gül sprach von den höchsten Niederschlagsmengen seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1942. Nach Angaben der Stadtverwaltung fielen örtlich bis zu 255,8 Liter pro Quadratmeter, an einigen Stationen so viel wie seit 1985 nicht mehr. Zum Vergleich: In Deutschland kommt in vielen Regionen in drei bis vier Monaten nicht so viel Regen zusammen. Die Katastrophenschutzbehörde AFAD registrierte bis Mittwochabend 1.277 Überflutungen und 15 Erdrutsche. Am Flughafen Istanbul konnten 43 Maschinen nicht landen und wurden umgeleitet.
Tote, Vermisste und eine gelähmte Stadt
Unter den Opfern ist ein 14-Jähriger, der im Stadtteil Fatih in eine überflutete Pfütze trat und durch einen Stromschlag starb. In Sarıyer kam ein 34-Jähriger in den Wassermassen ums Leben, eine dritte Leiche wurde in Kağıthane gefunden. Innenminister Mustafa Çiftçi zufolge wurden mehr als 2.700 eingeschlossene Menschen in Sicherheit gebracht. Die Schulen blieben geschlossen, Motorräder durften nicht mehr fahren, und die Behörden baten die Menschen, zu Hause zu bleiben. In der Provinz Sakarya, rund 150 Kilometer östlich, stürzte ein in einem Flussbett gebautes Haus ein.
Weitere Unwetter in der Türkei, in Deutschland Dauerregen im Südwesten
Für Istanbul und die Provinz Kırklareli gilt nach Angaben des türkischen Wetterdienstes MGM eine amtliche Unwetterwarnung bis Samstag, 23.59 Uhr Ortszeit. Am Mittelmeer zwischen Antalya, Mersin, Adana und Hatay drohen Sturzfluten und Erdrutsche, auch rund um Ankara regnet es kräftig. Bei uns in Deutschland fällt der Regen weniger heftig aus. Vom Hochrhein bis zum oberen Neckar erwarten wir bis Sonntagabend 35 bis 50 Liter pro Quadratmeter. An der Ostsee sind in der Nacht zum Sonntag Sturmböen bis 80 km/h möglich. Ab Montag wird es ruhiger mit Sonne nach Nebel und 11 bis 17 Grad.
Johannes Graf
B. Sc. Meteorologie
Schon seit meiner Kindheit empfinde ich eine große Leidenschaft für meteorologische Phänomene. Das Wetter draußen zu beobachten sowie die ständigen Schwankungen des Thermometers faszinieren mich nach wie vor. Diese Verbundenheit mit der Meteorologie motivierte mich dazu, ein Meteorologiestudium am Karlsruher Institut für Technologie zu absolvieren. Seit April 2022 lebe ich meine Leidenschaft beruflich aus und bin Mitglied des Teams bei Q.met.



