
Über Monate hat es in Oklahoma und Texas kaum geregnet, jetzt kommt das Wasser auf einmal. Ein tiefer Trog im Jetstream zieht die Feuchtigkeit von Hurrikan Simon vom Pazifik bis in die südlichen Great Plains. Bis Donnerstag kann dort in wenigen Tagen doppelt so viel Regen fallen wie sonst im ganzen Oktober. Weil die ausgedörrten Böden das Wasser kaum aufnehmen, drohen Sturzfluten.
Risikostufe 3 von 4 für Oklahoma City
Der US-Wetterdienst hat für Zentral-Oklahoma mit Oklahoma City die Sturzflut-Risikostufe 3 von 4 ausgerufen. Bis Donnerstagmorgen können dort mehr als 125 Liter pro Quadratmeter fallen. Im Südwesten des Bundesstaates rund um Altus rechnen die Meteorologen bis Donnerstagabend mit 50 bis 100 Litern, an einzelnen Orten auch mit mehr. Normal sind dort für den gesamten Oktober nur bis zu 64 Liter. Für mehr als sechs Millionen Menschen in Oklahoma, Kansas, Missouri und Texas gilt eine Flood Watch. Am Canadian River bei Bridgeport wurde die Hochwasserwarnung auf die höchste Stufe angehoben.
Rekordhitze, dann tropischer Regen
Kurz vor dem Umschwung war es im Herzen der USA noch hochsommerlich warm. Kansas City erreichte am Dienstag rund 33 Grad und stellte damit einen 127 Jahre alten Tagesrekord von 1899 ein. Am Abend schlugen dort tropisch aufgeladene Gewitter mit sintflutartigem Regen zu. Der Unwetterkorridor reicht nun über rund 2.400 Kilometer vom Big-Bend-Gebiet in Texas bis nach West Virginia. In den Gewittern sind 25 bis 50 Liter pro Quadratmeter in einer Stunde möglich, dazu kommen in Westtexas und Oklahoma Sturmböen. Simon selbst liegt noch weit vor der Westküste Mexikos und kriecht nur langsam voran. Ein Landfall wird frühestens am Freitag oder Samstag erwartet, gleichzeitig gewinnt Tropensturm Trudy weiter südlich an Kraft.
Regen auf Beton, und bei uns?
Die Lage ist zwiespältig. Der Regen kann die extreme bis außergewöhnliche Dürre in Oklahoma, Texas und im Süden Missouris spürbar lindern. Ausgetrocknete Böden verhalten sich bei Starkregen aber fast wie eine versiegelte Fläche: Das Wasser schießt oberflächlich ab, Bachbetten und Senken laufen in kurzer Zeit voll. Bei uns in Deutschland bleibt es deutlich ruhiger. Am Samstag bringt eine Front vor allem dem trockenen Süden länger anhaltenden Regen, an der Küste gibt es stürmische Böen. Am Sonntag erreichen die Höchstwerte nur noch 10 bis 16 Grad. Ab Montag setzt sich wieder Hochdruck durch, dann gibt es nach nächtlichem Nebel bei 11 bis 17 Grad oft Sonne.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.



