
Im tropischen Pazifik baut sich einer der stärksten El Niños seit Beginn der Aufzeichnungen auf. Die Langfristmodelle sehen für Deutschland eher einen milden Winter, doch eine Garantie ist das nicht. Entscheidend ist ein Wirbel 30 Kilometer über der Arktis, und seine Signale kommen erst ab November. Bis dahin hält der Herbst noch ein paar Wechsel bereit.
Der Pazifik läuft heiß
Nach der Diagnose der US-Wetterbehörde NOAA vom 8. Oktober verstärkt sich der El Niño weiter. Die Meerestemperatur in der wichtigen Niño-3.4-Region lag zuletzt 2,1 Grad über dem Mittel, vor Südamerika sogar 3,9 Grad. Für Oktober bis Dezember beziffert die NOAA die Chance auf ein historisches Ereignis, stärker als jeder El Niño seit 1950, mit 83 Prozent. Ein starker bis sehr starker El Niño gilt bis in den März 2027 als wahrscheinlich. Für Europa heißt das aber zunächst wenig: Rund um den Pazifik sind die Folgen deutlich, bei uns ist der Einfluss nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes wesentlich schwächer.
Modelle tendieren zu mild, der Polarwirbel entscheidet
Die Jahreszeitenvorhersage des DWD vom 22. September sieht für November bis Januar mit 66 Prozent und für Dezember bis Februar mit 65 Prozent einen wärmeren Winter als im Mittel 1991 bis 2020. Für den Niederschlag hält der Wetterdienst keine belastbare Aussage für möglich. Offen bleibt der Polarwirbel. Daniela Matei vom Max-Planck-Institut für Meteorologie hält es für möglich, dass El Niño ab Januar die Chance auf kräftige Kaltluftvorstöße in Nord- und Mitteleuropa deutlich erhöht. Andreas Fink vom KIT sieht dagegen keine belastbaren Aussagen für Europa. Wir halten einen milden Grundton für wahrscheinlicher, Kältephasen bleiben aber drin.
Was frühere El-Niño-Winter zeigen und wie es jetzt weitergeht
Die Geschichte gibt beide Antworten. Der Winter 2015/16 brachte Deutschland 3,6 Grad im Mittel und den wärmsten Dezember seit 1881, auch 1997/98 zählt zu den milden Wintern. Im El-Niño-Winter 2009/10 lag dagegen wochenlang Schnee, in Bad Muskau wurden am 27. Januar 2010 minus 24,3 Grad gemessen. Bevor der Winter kommt, wird es erst einmal kühler. Bis Freitag bleibt es mit 16 bis 22 Grad sehr mild. Am Samstag bringt eine Front Regen, vor allem im trockenen Süden und Südwesten, und nur noch 12 bis 16 Grad. Am Sonntag sind es 8 bis 14 Grad, ab Montag wird es ruhiger, mit Nebel und 11 bis 18 Grad.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.



