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West-Nil-Virus in Europa: über 1000 Fälle in 15 Ländern

11. September 2026·09:07 Uhr
2 Min. Lesezeit
GesundheitWetter weltweit
West-Nil-Virus in Europa: über 1000 Fälle in 15 Ländern

Europas Mückensaison läuft aus dem Ruder. Nach einem der heißesten Sommer der Messgeschichte meldet der Kontinent so viele West-Nil-Infektionen wie seit Jahren nicht mehr, die Hauptlast tragen Italien, Griechenland und Spanien. Auch Deutschland hat längst eigene Virusgebiete – und die milde Hochdruckphase der kommenden Tage hält die Überträger aktiv.

Über 1000 Fälle in 15 Ländern

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zählte mit Stand 3. September 1.086 im Inland erworbene Infektionen in 15 Ländern. Die meisten meldeten Italien mit 516, Griechenland mit 284, Spanien mit 88 und Rumänien mit 56 Fällen. Anfang August waren es erst 245 Fälle in sieben Ländern, Mitte August 625 – die Kurve ist innerhalb weniger Wochen steil nach oben gegangen. Bis Anfang August hatte das ECDC zwölf Todesfälle erfasst, sechs in Griechenland, fünf in Italien und einen in Rumänien.

Warum warme Nächte das Virus beschleunigen

Das Virus zirkuliert zwischen Wildvögeln und heimischen Stechmücken, Menschen und Pferde sind Fehlwirte. Entscheidend ist die Temperatur: Je wärmer es ist, desto schneller vermehrt sich das Virus in der Mücke und desto kürzer wird die Zeit, bis sie es weitergeben kann. Dazu kommen mehr Mückengenerationen pro Jahr und eine längere Saison. Wegen der günstigen Witterung rechnen ECDC und die europäische Lebensmittelbehörde EFSA mit weiteren Fällen in den kommenden Wochen – der Übertragungsgipfel liegt klassisch im August und September.

Deutschland: Osten im Blick, Frost beendet die Saison

Hierzulande ist das Virus seit 2018 heimisch, vor allem in Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Das Robert Koch-Institut registriert seit 2019 jährlich vier bis 35 im Inland erworbene Fälle und erwartet, dass sich die Verbreitungsgebiete weiter ausdehnen; für 2026 führt die ECDC-Statistik bislang zwei Fälle. Unsere Vorhersage hält die Mücken vorerst aktiv: Bis Anfang kommender Woche bleibt es unter Hochdruck trocken und mild, am Wochenende 20 bis 25 Grad, am Montag im Südwesten nahe 30 Grad. Erst die ersten Frostnächte beenden die Saison.

Dominik Jung
Über den Autor

Dominik Jung

Diplom-Meteorologe

Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.

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