Die Ostsee lockt in der Sommerhitze mit angenehmen Badetemperaturen – doch das warme Wasser hat eine Schattenseite. Das Robert Koch-Institut hat in diesem Jahr schon zwei Todesfälle nach Vibrionen-Infektionen registriert, und die Saison begann ungewöhnlich früh. Was hinter den Bakterien steckt und wer jetzt besonders aufpassen sollte.
Deutlich mehr Fälle als in den Vorjahren
Bis zum 12. Juli zählte das RKI 14 in Deutschland erworbene Vibrionen-Infektionen. In den drei Jahren davor waren es zum gleichen Zeitpunkt spürbar weniger: 2023 ein Fall, 2024 neun und 2025 vier. Inzwischen sind es 17 gemeldete Erkrankungen, zwei davon endeten tödlich, beide Betroffenen waren hochaltrig. Die Erkrankten sind zwischen 3 und 95 Jahre alt, der Altersmedian liegt bei 70 Jahren. Das Institut spricht von einer vergleichsweise frühen Saison und führt sie auf die frühe Erwärmung der Küstengewässer zurück.
Warmes Brackwasser ist der perfekte Nährboden
Vibrionen sind natürliche Bewohner von Küstengewässern. Steigt die Wassertemperatur über etwa 20 Grad, können sie sich in den oberflächennahen Schichten stark vermehren. Die Ostsee bietet dafür nahezu ideale Bedingungen, denn die Bakterien bevorzugen Salzgehalte zwischen 0,5 und 2,5 Prozent – im Mittel liegt die Ostsee bei rund 0,8 Prozent. Nach Daten des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie hat sie sich im Jahresmittel seit 1990 um etwa 2,1 Grad erwärmt. Ende Juni schoss ihre Oberflächentemperatur binnen einer Woche von 15,9 auf 19,3 Grad.
Wer vorsichtig sein sollte
Gefährlich werden die Bakterien vor allem, wenn sie über offene Wunden in den Körper gelangen, seltener über rohen Fisch oder Meeresfrüchte. Für gesunde Menschen bleibt das Risiko gering. Ältere sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Diabetes, Leber- oder Herzerkrankungen sollten mit frischen Wunden dagegen auf das Bad in Meer- oder Brackwasser verzichten. Warnzeichen sind starke örtliche Schmerzen, Fieber und Schüttelfrost – dann zählt jede Stunde, denn solche Infektionen können rasant verlaufen. Mit der neuen Hitzewelle dürfte sich das Wasser weiter aufheizen.
