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Kategorie: Wissenswertes Thema: Wetterwissen

Der Siebenschläfertag und die nächsten Wochen

Am kommenden Mittwoch ist es mal wieder so weit. Der Siebenschläfertag erwartet uns. Er gehört zu den so genannten Lostagen, denn ihm wird eine hohe Bedeutung für das Wetter der folgenden sieben Wochen zugeschrieben. Was erwartet uns dieses Jahr?

Der Name Siebenschläfer hat nichts mit den gleichnamigen Nagetieren zu tun, sondern geht auf eine Heiligenlegende aus dem Jahr 251 nach Christus zurück, bei der sich sieben Brüder auf der Flucht vor dem römischen Kaiser in einer Höhle bei Ephesus versteckt haben, lebendig eingemauert und im Jahr 446 nach Christus gefunden wurden.

Der Siebenschläfer ist ein Lostag. Aus dem Wetter an einem Lostag schließt die zugehörige Bauernregel aufgrund des Wettercharakters an einem bestimmten Tag auf den Witterungscharakters der kommenden Wochen, der folgenden Jahreszeit, des restlichen Jahres oder auf einen anderen ganz bestimmten Zeitraum in der Zukunft. Längst nicht alle Lostage können statistisch ihre Existenz rechtfertigen, doch der Siebenschläfer bringt es immerhin auf eine Eintreffwahrscheinlichkeit von 60 bis 70%.

Tatsächlich ergeben sich dabei zwei grundlegende Probleme. Zunächst einmal ist es wenig sinnvoll, aus dem Wetter eines einzigen Tages auf das Wetter der nächsten Wochen zu schließen. Vielmehr muss man den Zeitraum um diesen Tag herum als Basis für einen sehr allgemeinen Trend für die Folgewochen heranziehen. Daraus ergibt sich beispielsweise für den Siebenschläfertag ein Zeitraum von 7 bis 10 Tagen. Zudem hat sich der Tag seit der Gregorianischen Kalenderreform um 10 Tage nach hinten geschoben.

Bislang war das Frühjahr sehr warm und abgesehen von lokalen Unwettern eher trocken. Hochdrucklagen überwogen. Doch schon in den letzten 10 bis 14 Tagen schwächeln die Hochdruckgebiete bei uns und halten zu uns immer mehr Abstand. Zum Wochenanfang überwiegen oft noch Wolken mit vereinzeltem Regen, und auch am Dienstag halten sich noch teils dichtere Wolken.

Zum Mittwoch scheint oft die Sonne, und die Temperaturen steigen mit Werten bis 29 Grad in den sommerlichen bis hochsommerlichen Bereich. Schauer gibt es dann kaum noch. Ein erster kleiner Schwung heißer Luft von der Iberischen Halbinsel erreicht abgeschwächt und mit erheblichem Umweg unser Land. Doch voraussichtlich wird der Mittwoch, landesweit betrachtet, der freundlichste Tag in der nächsten Woche bleiben.

Schon am Donnerstag sorgen viele Wolken von Brandenburg über Ostthüringen bis zum Allgäu für Schauer und Gewitter. Diese verstärken sich am Freitag und weiten sich noch etwas westwärts aus. Im teils ergiebigen Regen zwischen Lausitz und Südostbayern werden dann nur noch 17 Grad, sonst bis 27 Grad erzielt. Schuld an der Wetterverschlechterung im Osten und Südosten ist ein Höhentief, dessen genaue Entwicklung und Zugbahn jedoch mehrere Tage im Voraus kaum vorhergesagt werden kann, da diese mit vergleichsweise kalter Luft in höheren Luftschichten angefüllten Gebilde sehr eigenwillig sind. Zuweilen nehmen sie völlig andere Zugbahnen oder eiern an Ort und Stelle herum und versorgen immer die gleiche Region mit unwetterartigen Regenfällen oder Gewittern. Insofern ist die Entwicklung in der zweiten Hälfte der nächsten Woche noch unsicher.

Nimmt man aber den Trend der letzten zwei Wochen zu Rate und zieht den Trend zur Verschlechterung der Prognosen ab der zweiten Wochenhälfte in Betracht, dann lässt das nur den Schluss zu, dass der Sommer als Frühstarter in den Monaten April und Mai schon einen erheblichen Teil seiner Energie verschossen hat.

Damit ergibt sich nun eher ein Trend zu teils warmer, teils kühler, aber insgesamt eher unbeständiger Witterung. Dies darf nach dem überaus warmen Frühjahr ohnehin als wahrscheinlich gelten. Daraus lässt sich mit der Siebenschläferregel schließen, dass es voraussichtlich in den nächsten sieben Wochen typisch mitteleuropäisch durchwachsen mit nassen und kühlen Phasen sein wird. Sonne und Wärme sind dann meist nur von kurzer Dauer, also nach wenigen Tagen vorüber. Dies ist aber bisher nur ein Trend und steht nicht zuletzt auch unter dem Vorbehalt der weiteren Wetterentwicklung über die zweite Wochenhälfte hinaus.