
Während im Flachland die Hitze zurückkehrt, spielt sich in den Alpen eine leise Katastrophe ab. Schon Ende Juni war die schützende Winterschneedecke auf den Gletschern verbraucht – so früh wie zuvor nur im Extremjahr 2022. Seither frisst die Sonne direkt am jahrhundertealten Eis. Auch Deutschlands vier letzte Gletscher verlieren dramatisch an Substanz.
Schutzschicht bereits Ende Juni verbraucht
Nach einem viel zu milden und schneearmen Winter lag auf vielen Alpengletschern rund ein Viertel weniger Schnee als im Mittel der Jahre 2010 bis 2020. Diese hellе Schutzschicht war bereits am 29. Juni aufgebraucht – der sogenannte Gletscherschwundtag fiel damit fast so früh wie im Rekordjahr 2022. Mitte Juli kletterte die Nullgradgrenze über den Alpen zeitweise auf mehr als 5.000 Meter. Auf den Gletschern schmolzen dadurch etwa fünf Zentimeter Eisdicke pro Tag weg, in Hitzephasen sogar bis zu zehn Zentimeter.
Deutschlands vier letzte Gletscher
In Deutschland gibt es nur noch vier Gletscher: den Nördlichen Schneeferner und den Höllentalferner am Zugspitzmassiv sowie Blaueis und Watzmanngletscher in den Berchtesgadener Alpen. Der Südliche Schneeferner verlor seinen Gletscherstatus schon 2022. Allein in der ehemaligen Lifttrasse am Nördlichen Schneeferner verschwanden seit 2023 fast acht Meter Eis, übrig sind rund zehn Prozent der einst vermessenen Fläche. Im März 2026 wurde Deutschlands letzter Gletscherskilift abgebaut – das Eis trug ihn nicht mehr.
Kein Ende der Wärme in Sicht
Ein durchgreifender Kaltlufteinbruch mit Neuschnee bis in die Gipfelregionen ist bis Ende August nicht in Sicht, stattdessen erreichen die Temperaturen im Süden zum Wochenstart erneut bis zu 38 Grad. Fachleute rechnen deshalb mit einem Volumenverlust von zwei bis drei Prozent, nach etwa 2,5 Prozent im Jahr 2024 und rund drei Prozent 2025. Die endgültige Bilanz liegt erst im Oktober vor. Glaziologe Christoph Mayer erwartet, dass Deutschlands Gletscher in den nächsten zehn Jahren verschwunden sein werden.