
Der Hitzesommer 2026 hat den Hochlagen der Alpen schwer zugesetzt: Allein im Mont-Blanc-Massiv zählen französische Forscher rund 450 größere Felsstürze. Schuld ist auftauender Permafrost, der den Fels seit Jahrtausenden zusammenhält. Ab Mittwoch fällt auf den Gletschern der erste kräftige Schnee der Saison – eine echte Entwarnung ist das aber nicht.
Rund 450 Felsstürze allein am Mont Blanc
Der Geomorphologe Ludovic Ravanel vom französischen Forschungszentrum CNRS rechnet für 2026 mit rund 450 größeren Felsstürzen allein im Mont-Blanc-Massiv und sprach gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von einem Rekordjahr – bei der Zahl der Ereignisse ebenso wie bei den bewegten Gesteinsmassen. Ursache ist der auftauende Permafrost oberhalb von etwa 2800 Metern. Das Eis in den Felsspalten wirkt wie ein Zement, der die Wände zusammenhält. Dazu kommt der Gletscherschwund: Ihr winterliches Schneepolster hatten die Schweizer Gletscher nach Daten des Messnetzes GLAMOS schon am 29. Juni aufgebraucht, so früh zuvor nur 2022.
Gesperrte Hütten, verlegte Routen
Für den Bergsport hatte das handfeste Folgen. Der Deutsche Alpenverein listet in seiner Sommerbilanz unter anderem die Schließung der Hütten Tête Rousse und Goûter auf der Mont-Blanc-Normalroute am 11. August wegen hoher Steinschlaggefahr, den verlegten Normalweg am Piz Palü und die zeitweise ausgesetzten Matterhorn-Besteigungen der italienischen Bergführer. Am Theodulgletscher endete der Sommerskibetrieb bereits Ende Juli. In den Berchtesgadener Alpen musste Wasser für die Blaueishütte per Hubschrauber eingeflogen werden, am Watzmannhaus blieben die Waschräume nur zwei Stunden täglich offen.
Ab Mittwoch Schnee bis 2200 Meter
Bis Dienstag bleibt es in der Höhe ungewöhnlich mild, die Nullgradgrenze liegt um 4000 Meter und im Süden noch höher – Niederschlag fällt dann selbst auf den Gipfeln als Regen. Ab Mittwoch sinkt die Schneefallgrenze auf etwa 2200 Meter, auf den Gletscherskigebieten erwarten wir 20 bis 35 Zentimeter Neuschnee. Am Alpennordrand kommen bis Donnerstagfrüh 30 bis 50, in Staulagen örtlich bis 60 Liter pro Quadratmeter zusammen. Die frische Auflage beruhigt die Wände nur kurz: Der Frost-Tau-Wechsel im Herbst löst selbst Steinschlag aus, und der erwärmte Untergrund bleibt instabil.
Johannes Graf
B. Sc. Meteorologie
Schon seit meiner Kindheit empfinde ich eine große Leidenschaft für meteorologische Phänomene. Das Wetter draußen zu beobachten sowie die ständigen Schwankungen des Thermometers faszinieren mich nach wie vor. Diese Verbundenheit mit der Meteorologie motivierte mich dazu, ein Meteorologiestudium am Karlsruher Institut für Technologie zu absolvieren. Seit April 2022 lebe ich meine Leidenschaft beruflich aus und bin Mitglied des Teams bei wetter.net.




