
Auf vielen Äckern rollen die Sämaschinen derzeit in einer Staubwolke über den Acker. Nach dem Dürresommer liegt der Winterraps vielerorts in trockener Krume, und jetzt beginnt auch die Aussaat des Wintergetreides. Ob die Saat aufgeht, entscheidet der Regen der kommenden Woche – und der fällt alles andere als gleichmäßig.
Raps liegt vielerorts im Trockenen
Nach dem zweitwärmsten und einem der trockensten Sommer seit 1881 säen viele Betriebe ihren Winterraps in staubtrockene Böden. Im Norden und Osten haben frühe Saaten bereits mehrere Laubblätter, im Westen und Südwesten haben Trockenheit und fehlende Bodenfeuchte Aussaat und Feldaufgang verzögert. Lückige, langsam wachsende Bestände sind besonders anfällig für den Rapserdfloh. Wie viel auf dem Spiel steht, zeigt die zurückliegende Ernte: Der Deutsche Bauernverband beziffert den Winterraps 2026 auf 29,1 Dezitonnen je Hektar und 3,3 Millionen Tonnen – rund ein Fünftel weniger als 2025.
Der Regen kommt als Schauer
Bis Montag bleibt es unter Hochdruckeinfluss weitgehend trocken, morgens ziehen Nebelfelder durch die Flusstäler, die Höchstwerte liegen bei 20 bis 25, im Südwesten am Montag bis 27 Grad. Am Sonntag sind einzelne kräftige Gewitter mit kurzzeitig ergiebigem Regen möglich. Am Dienstag greift von Nordwesten schauerartiger Regen mit Gewittern und Sturmböen auf die Mitte über, am Mittwoch folgen Schauer bei nur noch 17 bis 23 Grad, am Alpenrand fällt länger Regen. Das Problem für die Landwirtschaft: Schauer fallen fleckig, und auf verkrusteten Böden läuft ein Teil davon oberflächlich ab.
Enges Zeitfenster für die Wintersaat
Wintergerste wird ab Mitte September gesät, Weizen und Roggen folgen bis in den Oktober. Für die Ernte 2026 hatten die Betriebe im Herbst 2025 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 5,0 Millionen Hektar Wintergetreide bestellt – eine ähnliche Fläche steht nun wieder an. Keimt die Saat erst spät, gehen schwache Bestände in den Winter. Für die tieferen Bodenschichten und das Grundwasser bringt der Schauerregen ohnehin kaum Entlastung: Dort füllen sich die Speicher erst im Winterhalbjahr, wenn Verdunstung und Pflanzenwachstum zurückgehen.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.







