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Gewitter an der Nordsee: Polarluft bringt Starkregen und Sturm

07. Oktober 2026·08:02 Uhr
2 Min. Lesezeit
GewitterWetterlage
Gewitter an der Nordsee: Polarluft bringt Starkregen und Sturm

Heute Abend endet der Spätsommer, und an der Nordsee beginnt eine ungewöhnlich gewitterreiche Phase. Hinter der Kaltfront strömt kühle Polarluft über ein Meer, das vom heißen Sommer noch aufgeheizt ist. Diese Mischung lässt bis in die neue Woche hinein immer neue Schauer und Gewitter wachsen. Am Samstag kann an der Küste örtlich mehr als ein Monatssoll an Regen in wenigen Stunden fallen.

Die Kaltfront kommt in der Nacht

Am Mittwochabend bilden sich im Südwesten die ersten Gewitter, in der Nacht ziehen sie nordostwärts weiter. Der Deutsche Wetterdienst rechnet in seinem Warnlagebericht mit Starkregen um 15 Liter pro Quadratmeter in einer Stunde und stürmischen Böen bis 65 km/h. Danach dreht der Wind auf Nordwest und frischt kräftig auf. An der Nordsee und auf exponierten Berggipfeln sind Böen von 65 bis 80 km/h zu erwarten. Am Donnerstag ist der Spätsommer dann vorbei: Statt bis zu 26 Grad wie am Mittwoch erreichen die Höchstwerte nur noch 13 bis 20 Grad, im Schwarzwald und am Alpenrand regnet es teils stundenlang.

Warum die warme Nordsee Gewitter anfacht

Die Nordsee hat einen außergewöhnlich warmen Sommer hinter sich. Nach Angaben des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie lag die Oberflächentemperatur im Sommer 2026 im Mittel bei 15,6 Grad und damit rund ein Grad über dem Mittel 1997 bis 2021. An der Station Helgoland zählte das BSH 66 Tage mit marinen Hitzewellen. Weil Wasser die Wärme lange speichert, ist die Nordsee jetzt viel wärmer als die einfließende Polarluft. Das Meer heizt die Luft von unten, während es in der Höhe kalt bleibt. Die Luft wird labil, steigt rasch auf und türmt sich zu Schauer- und Gewitterwolken. Über dem Land schwächen sich diese Zellen nachts ab, über dem Wasser bleiben sie dagegen rund um die Uhr aktiv.

Samstag mit dem höchsten Risiko an der Küste

Am Freitag bleibt es im Norden und in der Mitte windig, an der Nordsee sind die ersten kräftigen Gewitter möglich. Der Samstag ist der kritischste Tag: Rund um die Nordsee können teils starke Gewitter mit Sturmböen und mehrstündigem Starkregen auftreten, örtlich sind mehr als 30 Liter pro Quadratmeter möglich. Am Sonntag und Montag bleibt das Gewitterrisiko an der Küste und im angrenzenden Binnenland bestehen, an der See und im Bergland gibt es weiter stürmische Böen. Die Höchstwerte liegen bei 12 bis 21 Grad. Regen fällt also vor allem im Norden, der ausgetrocknete Südosten bleibt dagegen lange trocken. Wer an der Küste unterwegs ist, sollte bei Gewittern Deiche, Strände und Wattflächen meiden.

Dominik Jung
Über den Autor

Dominik Jung

Diplom-Meteorologe

Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.

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