
Knapp 98.000 Blitze in drei Monaten: Der Sommer 2026 war für deutsche Verhältnisse kein großer Gewittersommer. Fast die Hälfte aller Entladungen fiel allein in den Juni, danach nahm die Dürre den Gewittern die Luft. Und der blitzreichste Landkreis liegt nicht im Alpenvorland, sondern an der Nordseeküste. Am Sonntag meldet sich die Saison noch einmal.
Fast 98.000 Blitze – und der Juni allein die Hälfte
Das Blitzortungsnetz von Meteorage registrierte zwischen dem 1. Juni und dem 31. August 97.899 Wolken-Boden-Blitze über Deutschland, das entspricht einer Dichte von 1,09 Blitzen je Quadratkilometer. Auffällig ist die Verteilung über den Sommer: Auf den Juni gingen 47.053 Entladungen, auf den Juli 28.682 und auf den August nur noch 22.164. Der blitzreichste Tag war der 14. Juli mit 7.518 Blitzen, dicht dahinter der 28. Juni mit 7.035. Europaweit zählte das Netz 893.458 Blitze, Deutschland liegt damit auf Platz vier hinter Italien, Frankreich und Spanien.
Nordseeküste vor dem Oberallgäu
Normalerweise führen Alpenvorland und Mittelgebirge solche Listen an. Diesmal liegt der Landkreis Cuxhaven mit 1.360 Blitzen knapp vor dem Oberallgäu mit 1.355. Die nach dem Rekordsommer sehr warme Nordsee und wiederholt einfließende Höhenkaltluft dürften an der Küste für Schauer und Gewitter gesorgt haben, während über dem ausgetrockneten Binnenland wochenlang der Hochdruck regierte. Nach Bundesländern bleibt Bayern mit 27.366 Blitzen dennoch klar vorn, vor Baden-Württemberg mit 14.065 und Niedersachsen mit 13.028. Blitzreichste Großstadt war München mit 439 Treffern.
Dürre bremst Gewitter – am Sonntag blitzt es wieder
Dass Juli und August so ruhig blieben, passt zur Trockenheit: Über ausgedörrten Böden verdunstet weniger Wasser, der Luft fehlen Feuchte und Energie für hochreichende Gewitter – ein Kreislauf, der die Dürre zusätzlich verlängert. Der Blitzinformationsdienst Aldis/Blids kam mit einem anderen Messnetz bis Ende Juli auf 104.804 Erdblitze und damit auf mehr als im gesamten Jahr 2025 mit 99.930, dem blitzärmsten der Reihe. Vorbei ist die Saison nicht: Am Sonntag ziehen im Norden mit kühler Meeresluft einzelne kräftige Gewitter durch, am Montag im Nordosten, dazu stürmische Böen an den Küsten.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.







