
Nur zwei Tage nach 30 Grad am Oberrhein hat der Herbst die Regie übernommen: Wind, Regen und Nächte um 6 Grad lösen die rekordwarme erste Septemberhälfte ab. Fast zeitgleich klettern die Zahlen der Atemwegsinfekte aus ihrem Sommertief. Ein Zufall ist das nicht - die Ursache liegt aber nicht dort, wo viele sie vermuten.
Windige Westlage bis Montag
Ein Tief über Nordeuropa bestimmt jetzt unser Wetter. Heute bleibt es vor allem im Norden bewölkt und zeitweise nass, der Südwestwind frischt auf, an der Nordsee sind Böen um Stärke 7 unterwegs, auf dem Brocken stürmische Böen. Am Freitag und Samstag legt der Wind im Nordseeraum weiter zu, am Sonntag und Montag erreichen die Böen an den Küsten Stärke 8 und exponiert Stärke 9, dazu ziehen im Norden und Nordosten einzelne Gewitter durch. Die Höchstwerte pendeln zwischen 17 und 24 Grad, am Samstag im Südwesten bis 26 Grad. Ab Dienstag beruhigt sich die Lage, die Nächte kühlen dann auf 6 bis 9 Grad ab.
Infektzahlen steigen aus dem Sommertief
Parallel dazu meldet das Robert Koch-Institut einen deutlichen Anstieg der akuten Atemwegserkrankungen. In der Kalenderwoche 36 lag die Inzidenz bei rund 4.500 Fällen je 100.000 Einwohner, hochgerechnet etwa 3,8 Millionen Menschen mit einem neu aufgetretenen Infekt. Ende August, in Woche 32, waren es erst rund 2.400. Seit dem saisonalen Tiefstwert in Woche 33 zeigt die Kurve nach oben, das Niveau bleibt insgesamt aber niedrig. In den Laborproben dominieren derzeit Rhinoviren und Parainfluenzaviren, Grippeviren spielen noch keine Rolle.
Nicht die Kälte, sondern die trockene Raumluft
Kühle Luft allein macht niemanden krank. Entscheidend ist, was mit dem Wetterumschwung beginnt: Wir halten uns wieder länger in geschlossenen Räumen auf, und die ersten Heizungen laufen. Sinkt die relative Luftfeuchte in der Wohnung unter 40 Prozent, trocknen die Schleimhäute in Nase und Rachen aus und befördern Erreger schlechter nach außen, zugleich bleiben Viren in ausgetrockneten Aerosolen länger infektiös. Fachleute empfehlen deshalb 40 bis 60 Prozent Raumluftfeuchte und regelmäßiges Stoßlüften. Für die Grippeimpfung nennt die Ständige Impfkommission Oktober und November als passenden Zeitraum.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.






